Räumung abgesagt – Schokoladen vorerst gerettet | Clubsterben geht trotzdem weiter

Nächsten Mittwoch, am 22. Februar 2012, sollte der Schokoladen in Berlin-Mitte geräumt werden. Doch nun scheint das alternative Kulturprojekt vorerst gerettet, denn laut Ephraim Gothe von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wurde gestern eine „Friedenspflicht“ zwischen den Streitparteien vereinbart.

Schokoladen © der_triton / flickr.com

© der_triton / flickr.com

Sowohl der Eigentümer des Hauses in der Ackerstraße 169/170 Markus Friedrich als auch der Schokoladen, das Berliner Bezirksamt Mitte, der Liegenschaftsfonds und die Schweizer Edith-Maryon-Stiftung, welche das Gebäude kaufen und anschließend an den Schokoladen verpachten möchte, haben sich – so Gothe – am Freitag darauf geeinigt, bis 31. März 2012 auf „störende Aktivitäten“ zu verzichten. Dennoch fand heute aufgrund eines Appells des Protestbündnisses „Schokoladen verteidigen“ eine Demonstration mit rund 200 Teilnehmern statt, welche am Nachmittag vor das Wohnhaus von Markus Friedrich in Potsdam zogen, um ihn aufzufordern, das Kompensationsgeschäft anzunehmen. Dieses sieht vor, dass Friedrich das Haus in der Ackerstraße an die Stiftung Edith Maryon verkauft und dafür eine oder mehrere andere (gleichwertige) Immobilie(n) des Landes Berlin erwirbt. Im Gespräch ist ein Grundstück in der Ackerstraße/Ecke Invalidenstraße, auf dem Friedrich bereits ab Herbst dieses Jahres Mietwohnungen und Gewerberäume bauen möchte.

Die Baseler Stiftung Edith Maryon hat bereits mehrere Grundstücke in Berlin gekauft, u.a. auch das ehemalige besetzte Haus des Kultur- und Wohnprojekts Rigaer Straße 78, welches nun komplett in den Händen der Bewohner ist. Ziel der anthroposophischen Stiftung ist es, soziale Arbeits- und Wohnstätten zu schützen, indem sie sie aufkauft und den Mietern per Erbpachtvertrag überlässt, um sie so vor zukünftigen Grundstücksspekulationen zu bewahren. Zum Kaufpreis des Hauses in der Ackerstr. 169/170 von etwa einer Million Euro muss allerdings auch der Schokoladen einen Teil beisteuern. Außerdem soll er sämtliche Sanierungskosten selbst tragen. Schokoladen-Verein-Sprecherin Anja Gerlich hofft, das Geld dafür über Spenden und Darlehen zusammenzubekommen.

Von Schließung bedroht: WABE (© wabe-berlin.de)

Von Schließung bedroht: WABE (© wabe-berlin.de)

Die Zeichen für den Erhalt des Berliner Off-Kultur-Clubs stehen somit gut. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass bereits viele andere Berliner Clubs den Kampf gegen Investoren oder Anwohner, die sich über den Lärm beschwerten, verloren haben. So mussten im vergangenen Jahr das Kiki Blofeld (am Spreeufer), der nbi club (auf dem Gelände der Kulturbrauerei) und die Maria am Ostbahnhof bzw. ihr Nachfolger, der AdS-Club an der Schillingbrücke, endgültig ihre Pforten schließen; 2012 folgten die Prenzlauer-Berg-Clubs Icon und der Klub der Republik. Die nächsten vom „Berliner Clubsterben“ betroffenen Kandidaten sind der Tape Club in Berlin-Mitte und die Wabe. Zahlreiche weitere Berliner Clubs kämpfen derzeit mit Lärmbeschwerden von – meist zugezogenen – Anwohnern, so zum Beispiel Berlins erster House-Club, die Turbine in Kreuzberg, sowie das gerade erst neu eröffnete Kater Holzig, das Lido und das Insomnia. Vom Mediaspree-Projekt bedroht sind außerdem das Yaam und der L.U.X. Club. Vor anderthalb Jahren fiel dem Großbauprojekt auch schon die beliebte Bar 25 zum Opfer.

Veronika Streit (mit Bildmaterial von der_triton / flickr.com & wabe-berlin.de)

 

 

 

 

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