„Rock and Roll House Party“ im Berliner Olympiastadion | Bruce Springsteen begeisterte 50.000 Fans

Es war der Tag, an dem DAS große Konzert stattfand, für das tausende Menschen nach Berlin kamen. Beobachtet man seine Umwelt an einem solchen Tag sorgfältig, sieht man Menschen verschiedenster Generationen und Herkunft. Doch an diesem einen Abend hatten sie alle auch etwas gemeinsam: Sie gingen alle aus dem gleichen Grund ins Stadion. Sie wollten ihn sehen, ein paar Stunden die Welt um sich vergessen und ein Teil der Musik sein, die sie seit geraumer Zeit auf verschiedenste Art und Weise in ihrem Leben begleitet.

Bruce Springsteen Konzert

© Sony Music

Das war auch am Abend des 30. Mai 2012 der Fall, ein lauer Abend, an dem der Boss mit seiner E-Street-Band etwas verspätet zum Rock’n’Roll lud: Auch ein Weltstar bleibt vor dem Stau auf der  A100 nicht verschont.

Ich selbst fieberte seit sechs Monaten diesem Konzert entgegen. Ich erinnere mich genau, wie ich las, dass Springsteen wieder auf Tour geht und ich nervös meine Eltern anrief – ebenfalls Springsteen-Fans – und sie spontan sagten: „Ja, wir sind dabei, bestell‘ Karten!“ Mit ihnen und meinem Bruder im Gepäck nahm das Warten am gestrigen Abend endlich sein Ende, und ich sah ihn endlich live.

Konzerte von Springsteen und seiner E-Street-Band gelten als legendär, und schon zu Beginn der Show schaffte er es, im ausverkauften Olympiastadion eine wohlige Intimität zu verbreiten. Eröffnet wurde das Konzert mit der Coverversion „When I leave Berlin“, ein längst vergessener Folksong, der eigens für das Berlin-Konzert einstudiert wurde. Man bekam sofort das Gefühl, dass Berlin für Springsteen ein besonderer Ort ist, an den er immer wieder gern zurückkommt.

Es folgte ein Repertoire aus neueren Songs und seinen Klassikern. Drei Stunden lang gab Springsteen mit seiner Band alles und schien nicht eine Sekunde lang etwas von seiner Energie zu verlieren. Hin und wieder sprach er mit dem Publikum in gebrochenem Deutsch, machte auf die Lage der USA aufmerksam, vergaß dabei aber weder Europa noch Berlin.  Er kritisierte die zwielichtigen Geschäftspraktiken der Banken und sang den Arbeitern und Arbeiterinnen aus der Seele, wie in dem Song „Jack of all Trades“: „The banker man grows fatter, the working man grows thin“. Dafür ist Springsteen berühmt und berüchtigt. Er ist ein Beobachter des amerikanischen Alltags und die Stimme des kleinen Mannes.

© Susanne Peter

© Susanne Peter

Vor allem aber ist Springsteen ein Perfomer, der weiß, wie er die Massen unterhält und ihnen einen unvergesslichen Abend beschert. Ob er spontan auf Publikumswünsche eingeht und unter anderem „Hungry Heart“ erklingen lässt, einen  kleinen Jungen auf die Bühne holt, der schüchtern etwas ins Mikrofon singt, spontan mit Sicherheitsleuten tanzt oder zwei Frauen auf die Bühne holt und einer seine Gitarre umhängt, um mit der anderen zu tanzen.

Ein unvergessener Abend, voller Gänsehaut-Momente, wie beim Klassiker „Tenth Avenue Freeze Out“, als bei der Zeile „…and the big man joined the band…“ abrupt gestoppt wurde, um des im letzten Jahr verstorbenen Clarence Clemons eine Minute zu gedenken. Im Hintergrund flimmerten Bilder aus Clemons musikalischer Karriere. Das Publikum jubelte, die Band setzte wieder ein und beendete den Song – und damit einen berauschenden Abend.

Besonders beeindruckend für mich war diese Kraft und Spontaneität im Zusammenspiel zwischen Springsteen und der E-Street-Band. Noch nie habe ich eine solche Energie gesehen und einen solchen Spaß an der Musik. Die Musik wurde gestern gelebt. Und auch wenn es abgedroschen klingt, bleibt mir nur zu sagen:

Bruce Springsteen live kann man nicht beschreiben, man muss es erlebt haben!

Susanne Peter (mit Bildmaterial von Sony Music)

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