Berlin eröffnet mit Musik das Kulturjahr Chinas in Deutschland

Chinas Bedeutung nimmt seit Jahren stetig zu; sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht befindet das Land mit der Milliarden-Bevölkerung auf der Überholspur. Nun ist es an der Zeit zu zeigen, dass auch Chinas Kultur mehr zu bieten hat als Essstäbchen und Ente süß-sauer. Das Kulturjahr Chinas in Deutschland soll genau dies präsentieren.

© Cornerstone / pixelio.de

In China wird seit dem 23. Januar 2012 das Jahr des Drachen gefeiert. Anders als in unserer westlichen Mythologie ist der Drache im fernen Osten kein Symbol des Schreckens, sondern ein ausgesprochender Glücksbringer. Wie beim Drachen gibt es auch in anderen kulturellen Bereichen Unterschiede. Vieles erscheint regelrecht befremdlich.

Das chinesische Kulturjahr 2011 wurde in Italien gefeiert und ging am 14. Januar 2012 zu Ende. Nun wird Chinas Kultur unter dem Motto „CHINAH“ ins Schaufenster mehrerer deutscher Städte gestellt. Das Kulturjahr findet auf Initiative der chinesischen Regierung anlässlich des 40. Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China statt. Die Eröffnungswoche steigt vom 30. Januar bis zum 9. Februar 2012 in Berlin, das seit 1994 eine Städtepartnerschaft mit der chinesischen Hauptstadt Peking pflegt.

Den musikalischen Auftakt macht am 30. Januar um 20 Uhr das Eröffnungskonzert des China Philharmonic Orchestra unter dem Motto „Träumen unterm Regenbogen“ im Konzerthaus Berlin. Am 2. und 3. Februar 2012 folgt die Kunqu Oper „Zeige dein Herz…!“ des Jiangsu Kunqu Opernensembles im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses Berlin. Einen Tag später, am 4. Februar, gibt Yingdi Sun im Kleinen Saal des Konzerthauses unter dem Motto „Vom blauen Klang des Piano“ Klavierstücke des Komponisten Franz Liszt zum Besten. „Die weiße und die rote Rose“ ist der Titel einer Lesung literarischer und philosophischer Texte aus China am 5. Februar. Die Veranstaltung mit dem Schauspieler Dietrich Mattausch als Sprecher findet ebenfalls im Konzerthaus Berlin, genauer im Werner-Otto-Saal statt. Den Abschluss der musikalischen Eröffnungswoche in Berlin bildet am 6. Februar das Konzert „Hört, der Frühling spielt das Weidenlied“ mit traditioneller chinesischer Musik von Yang Jing in der Französischen Friedrichstadtkirche.

Bei aller Begeisterung und Faszination schwingt doch ein gutes Stück Sorge mit, das chinesische Regime könne die ganze Veranstaltung zu sehr für ihre Propaganda nutzen. Auch stellt sich die Frage nach der Situation in der Volksrepublik. Während in Deutschland chinesische Kunst und Kultur gefeiert werden soll, sehen sich oppositionelle bzw. regimekritische Künstler wie Ai Weiwei staatlicher Unterdrückung ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund mahnte Bundespräsident Christian Wulff, der als Schirmherr auf deutscher Seite fungiert, die Notwendigkeit eines offenen Dialogs und Freiraums für die künstlerische Entfaltung an.

Martin Schlereth (mit Bildmaterial von pixelio.com)

 

1 comment

  1. Bernhard Ströbel

    Die Notwendigkeit eines offenen Dialogs zwischen China und der tibetischen Exilregierung besteht allerdings. Nur, was soll man machen wenn China nicht bereit ist zu einem solchen? Die jüngsten Geschehnisse in den tibetischen Regionen sind alarmierend. Lobsang Sangay, der exiltibetische Vorsitzende hat etliche Versuche unternommen mit Chinas Mächtigen zu kommunizieren – doch immer wieder vergebens. Polemik und Schuldzuweisungen sind die Reaktionen auf solche Bemühungen seitens der Tibeter. Kultur in China steht immer unter dem Primat der Politik. Die tibetische Kultur wird seit Jahren systematisch eliminiert. Daher frage ich nach dem Sinn eines chinesischen Kulturjahres in Deutschland. Herr Wulff, sollte sich als Repräsentant Deutschlands für mehr Menschenrechte in China und Tibet einsetzen. Alles andere ist doch eine Farce.

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