Berliner Clubsterben: Klub der Republik in Prenzlauer-Berg steht vor dem Ende

Nachdem das Magnet bereits 2010 umgezogen, der Knaack-Club Ende 2010 und das Icon Anfang dieses Jahres dicht machten, steht nun auch der Klub der Republik in der Pappelallee (Prenzlauer Berg) vor dem Ende. Ein Krieg um die Nacht zwischen Party-Jüngern und Immobilien-Investoren scheint entfacht.

Im Dezember erst machte unser Artikel über das Clubsterben in Berlin – speziell im Bezirk Prenzlauer Berg – von sich reden. So konnten wir an einem Tag nicht weniger als 21.000 eindeutige Besucher auf diesen Beitrag verzeichnen. Viele Leser nutzten die Kommentar-Funktion, um ihrem Frust über die Thematik Luft zu machen. So stellt etwa User „Nelson“ fest: „Es sind Lärm-Beschwerden meist einzelner, gerade Zugezogener, bzw. das knallharte Interesse von Investoren, die zum Clubsterben führen.“ Ob dem tatsächlich so ist, sei zunächst einmal dahingestellt.

Foto: Annonce auf Facebook

Vor wenigen Tagen dann erreichte uns eine Nachricht im Format einer Todesanzeige – sie ist dem Klub der Republik (geb. 1992, gest. 2012) gewidmet und lädt zu einer Trauerfeier am kommenden Donnerstag, 19. Januar, um 19:00 Uhr unmittelbar vor dem Klub der Republik in der Pappelallee 81 ein. Mit einer Kunstperformance will man an das erinnern, was dem Prenzlauer Berg verloren gegangen ist. Seltsamerweise ist auch in dieser „Todes-Annonce“ die Rede von Investoren. „Die Investoren, die Herren der Häuser, vertrieben unsere geliebten Clubs…“, heißt es hier. Unterzeichnet ist die Annonce mit „Das Icon, Der Club der Republik und alle weiteren Angehörigen“.

Nun also ist auch der – vor allem bei Fans minimalistischer elektronischer Musik – beliebte Klub der Republik dem Clubsterben zum Opfer gefallen. Laut einem Bericht der Morgenpost wurde im Winter 2009 ein Herr am Tresen im Klub der Republik vorstellig und zeigte sich darüber verwundert, dass sich hier eine Bar befinde. Nachdem ihm mitgeteilt wurde, dass dies zum damaligen Zeitpunkt bereits seit 8 Jahren der Fall sei, machte der Mann klar, dass es sich bei ihm um den Eigentümer der Räumlichkeiten handele. Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde schnell klar: Dem ehrwürdigen Klub würden harte Zeiten ins Haus stehen.

Mit der 10-tägigen „Abrissparty“, welche am kommenden Donnerstag mit der oben erwähnten Trauerfeier eingeleitet werden soll, wollen die Betreiber nun – nach über 2-jährigem Hoffen, Bangen und Kämpfen – auf den Verlust ihres Klubs aufmerksam machen, der für viele tatsächlich auch mit einem Verlust für das kulturelle Leben im Prenzlauer Berg verbunden ist. Der Klub der Republik war eine der Locations, die, wie nur wenige, für das Berliner Clubleben fernab des Mainstreams standen. Hier ließ es sich ausgelassen, entspannt, vor allem aber ungestört und friedlich feiern.

Auf einem Transparent, welches an der Fensterfront des Klubs der Republik angebracht wurde, heißt es: „Erst wenn die letzte Eigentumswohnung gebaut, der letzte Klub abgerissen, der letzte Freiraum zerstört ist, werdet ihr feststellen, dass der Prenzlauer Berg die Kleinstadt geworden ist, aus der ihr mal geflohen seid.“

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