Jeck – jecker – StadtkinT | 11.+13. November: Doppelkonzert im Corbo

© Veronika Streit

StadtkinT © Veronika Streit

Vor einem Jahr versüßten sie gestressten Berlinerinnen und Berlinern noch in U-Bahnhöfen mit ihrer Musik den Alltag.
„Wir haben auch mal am Wittenbergplatz an der Bushaltestelle gestanden, und da war nur eine Dame, die uns zugehört und sich dann für die Musik bedankt hat und in ihren Bus gestiegen ist“, erinnert sich Christoph Watrin, Sänger des Berliner Pop-Projekts StadtkinT.
Nur ein Jahr später füllt die gut gelaunte Kombo das Corbo in Treptow – und das gleich zweimal hintereinander.

„Ausverkauft – Zusatztermin am Sonntag!“, war auf der Webseite der erst vor gut einem Jahr eröffneten Kleinkunstbühne Corbo zu lesen, wenn man versuchte, Tickets für das StadtkinT-Konzert am Freitag, dem 11.11.2011 zu bestellen. Es hatte sich offenbar schnell herumgesprochen, dass die drei (Wahl-)Berliner hier zum ersten Mal seit ihrer Gründung im letzten Jahr ein komplettes anderthalbstündiges Konzert geben würden. Und so war das Corbo am 11.11. dann auch bis auf den letzten Platz gefüllt. Fans, Freunde und Familie – alle waren sie gekommen, um sich einen Abend lang mit StadtkinT in die Ferne zu träumen. „In die Ferne“ war auch der Opener ihres Bühnen-Debüts im Corbo, gefolgt vom mitreißenden „Rot Grün Blau“, das man seit Kurzem nicht nur hören, sondern – ausschnittweise – auch als Video online sehen kann:

Immer im Wechsel über die Bühne tobend oder am Flügel sitzend sang Christoph sich von nachdenklichen Liedern wie „Perfektion“ und „Auf und davon“ über positive Songs à la „Du gibst mir die Kraft“, welchen sie all den Menschen widmeten, die ihnen immer wieder die Kraft geben, sie selbst zu sein, bis hin zu richtigen Optimismus-Hymnen wie „Alles Schlechte geht vorbei“.

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Felix (StadtkinT) © Veronika Streit

Auch Gitarrist Felix meldete sich zwischendurch zu Wort und erzählte, dass er sich auf Reisen oft seine Gitarre schnappe und Melodien spiele, die ihn an zu Hause erinnern, damit das Heimweh nicht so stark ist. Um die Stimmung jedoch nicht allzu sehr zu trüben, gaben StadtkinT im Anschluss an „Heimweh“ das erfrischende „Nur noch kurz die Welt retten“-Cover von Tim Bendzko zum Besten, bevor sie für eine etwa 15-minütige Pause die Bühne verließen.

Doch auch nach dem Break ging es voller Energie weiter. Mit „Land in Sicht“ und „Herzen folgen“ legten StadtkinT einiges an Tempo vor, bevor sie sich bei der im breitesten Kölsch vorgetragenen Anmoderation von „Schatzkarten“, dem 11. Lied der Setlist, zum ersten Mal an diesem Abend dem Thema „11.11.“ widmeten (am 13. dann leider nicht mehr ganz so ausführlich). Was inmitten des Songs folgte, klang dann aber auch wirklich ziemlich „jeck“: ein Medley aus (u.a.) Nenas „99 Luftballons“, „Big City Life“ (Mattafix), dem Kinderlied “Ich geh’ mit meiner Laterne”, das Christoph mit einem augenzwinkernden „Gleich habt ihr’s geschafft“ kommentierte, und Bob Marleys „No Woman No Cry“.

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Christoph & Kai (StadtkinT) © Veronika Streit

Nach diesem für etliche Lachsalven im Publikum sorgenden und musikalische Genregrenzen völlig über den Haufen werfenden Abstecher ins Komische begab sich Christoph wieder an den Flügel und stellte sich in „Nichts zu verlieren“ wiederholt die Frage: Wo sind wir?
In diesem Fall war diese leicht zu beantworten: Noch immer im Corbo, wo Felix sich als Nächstes an einer passenden Ankündigung für den Song „Zu zweit“ versuchte, indem er noch einmal das Thema 11.11.11 aufgriff – den Tag der hoffnungslos überfüllten Standesämter, an dem sich etliche Paare das Ja-Wort gaben, denn (so Christoph): „Glück ist das einzige, was sich vermehrt, wenn man es teilt.“

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Christoph (StadtkinT) © Veronika Streit

Ihre Fans verblüfften StadtkinT dabei mit einem weiteren kleinen Intermezzo, indem sie ganz plötzlich von der Bühne stiegen, eine Runde an der Bar vorbei durch die Zuschauerreihen drehten und das Lied im Publikum weitersangen; und als man schließlich dachte, nun wirklich durch nichts mehr überrascht werden zu können, stimmten die Drei plötzlich „Major Tom (völlig losgelöst)“ von Peter Schilling an, bei dem die Zuschauer freudig mitsangen.
Im Anschluss meldete sich dann zum ersten Mal an diesem Abend Kai Laschnikov zu Wort, welcher Christoph und Felix seit Kurzem am Cajón begleitet und inzwischen offiziell zum Ensemble gehört. Neben StadtkinT unterstützt Kai aber schon seit 2006 die Berliner Band Cosmonautix mit ihrem mitreißenden Mix aus Polka, Punk und Ska am Schlagzeug, und so nutzte er an dieser Stelle die Gelegenheit, den nächsten Auftritt seiner Band am 25.11. in der Wabe – mit StadtkinT als Support – anzukündigen, und leitete anschließend zum letzten Song der Setlist – „All die schönen Sachen“ – über, bei dem das Publikum noch einmal vollends als Chor mit eingebunden wurde.

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Christoph (StadtkinT) © Veronika Streit

Eine Zugabe durfte da natürlich nicht fehlen, und Christophs „völlig unerwartete“ Rückkehr auf die Bühne wurde von diesem auch gleich mit einem ironischen „Wer hätte das gedacht?“ kommentiert. Als er sich dann zum letzten Mal an diesem Abend an den Flügel begab und es gleich darauf hieß: „Es wird noch mal romantisch“, bekamen die Anwesenden inklusive Felix und Kai, welche von der Bar aus zuschauten, noch eine Premiere zu hören: die wunderschöne Ballade „Ich bin der Erste“.
Danach winkte Christoph seine beiden Bandmitglieder noch einmal für den Abschlusssong „Vorbei“ auf die Bühne, was am Sonntag aber nicht sofort klappte, weil Kai „erst noch kurz die Welt retten wollte“ und auf Christophs Frage „Und? Hast du’s geschafft?“ nur mit einem kecken „Nee, du lässt mich ja nicht“ antwortete.

Immerhin – die Chemie zwischen den drei Stadtkindern stimmt – das spürten auch die Fans, welche teilweise aus Österreich und sogar Russland angereist waren. Selbst nach dem Konzert konnten sie sich noch davon überzeugen, als Christoph, Felix und Kai mit ihnen für Erinnerungsfotos posierten und dabei die ein oder andere lustige Grimasse schnitten.
Und wer am Freitag und Sonntag nicht mit dabei sein konnte, weil er nicht aus Berlin oder Umgebung kommt, der braucht nicht traurig zu sein, denn – so verriet Christoph uns nach dem Konzert – StadtkinT arbeiten bereits eifrig daran, demnächst auch andere Teile Deutschlands zu bespielen.

Veronika Streit (mit Videomaterial von StadtkinT)

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StadtkinT mit Fan © Veronika Streit

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StadtkinT © Veronika Streit

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Christoph & Kai (StadtkinT) © Veronika Streit

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StadtkinT © Veronika Streit

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Christoph & Felix (StadtkinT) © Veronika Streit

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Kai (StadtkinT/Cosmonautix) © Veronika Streit

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Felix (StadtkinT) © Veronika Streit

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