Bis(s) zum bitteren Ende

Jede Mühe muss sich derzeit geben, wer dem öffentlichen Personenverkehr in Berlin etwas Positives abzugewinnen versucht. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass man sich nicht um das ungestörte Hin- und Herpendeln innerhalb der Hauptstadt Sorgen machen sollte könnte. Waren es im Sommer noch die defekten oder aber verschlissenen Bremssysteme, welche mit Wissen der Verantwortlichen unüberholt blieben, so warten die beiden größten Transportunternehmen in Berlin –  BVG und S-Bahn – derzeit mit immer neuen Überraschungen auf. Mal entgleist eine Bahn, mal öffnen sich die Türen während der Fahrt. Jetzt aber kommt’s ganz dicke.

Nach den vergangenen Unzulänglichkeiten rund um den öffentlichen Nahverkehr in der Spreemetropole könnte man annehmen, es würde nicht noch dicker kommen. Irgendwann muss es weiter gehen… ohne jedwede Konsequenz für den ohnehin bereits arglos gebeutelten Fahrgast. Weit gefehlt. Derzeit – nach Monaten der Beeinträchtigungen und Pannen – nämlich stehen Überlegungen im Raum, den ohnehin bereits überteuerten Nahverkehr noch teurer zu gestalten – zumindest für Gelegenheitsfahrer, welche sich eines Einzelfahrscheins equipieren. Von Preisanpassungen, welche „in mehreren kleinen Schritten“ vorzunehmen seien, ist die Rede bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, weiß die Morgenpost.

Gelegenheitsfahrer vs. Abo-Kunden
Schuld an diesen „Preisanpassungen“, wie die Verantwortlichen im Senat es denn auszudrücken pflegen, ist natürlich die Preispolitik der Fahrgastunternehmen. Anlässlich der Auswertung eines in Auftrag gegebenen Monitoringberichts habe man festgestellt, dass Abo-Kunden gegenüber anderen Fahrgästen benachteiligt worden sind und es bis dato immer noch werden. Die Morgenpost hierzu: „In Berlin lohnt sich eine Monatskarte nur für wirkliche Vielfahrer. Erst bei 34,3 Fahrten pro Monat fährt der Inhaber günstiger als mit Einzeltickets. Das ist ein bundesweiter Negativrekord. Selbst das preiswertere Aboticket lohnt sich im Stadtgebiet erst bei mehr als 27 Fahrten. „Um diesen Trend umzukehren oder wenigstens einen Versuch zu starten, die Negativtendenz zu bremsen, werden Einzeltickets bis 2014 wohl preislich steigen. Ob diese Umschichtung der Preispolitik nicht viel eher eine Ablenkung von den immer noch bestehenden Problemen bei S-Bahn und BVG ist, bleibt offen.

Immer noch mit der S-Bahn-Krise überfordert, ist es fraglich, wann die Diskussion um die Preisanpassung zu Papier gebracht wird. Eins allerdings scheint klar. Die vielfach angedrohten Konsequenzen für diejenigen, welche die S-Bahn-Krise zu verantworten hatten und immer noch haben, werden wohl doch ausbleiben. Es ist eben einfacher, den unbescholtenen Bürger – ganz gleich, ob Gelegenheits- oder Vielfahrer – zur Kasse zu bitten.

Bernard Bruck

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