Zum Jahreswechsel sendet die deutsche Wirtschaft unerwartet positive Signale, die Hoffnungen auf eine Erholung im Jahr 2026 nähren. Sowohl die Industrieaufträge als auch die Neuzulassungszahlen im Automobilsektor zeigten sich zum Ende des Jahres 2025 deutlich widerstandsfähiger als von Experten prognostiziert. Während Analysten skeptisch auf die Konjunkturdaten blickten, überraschten die jüngsten Veröffentlichungen mit robusten Wachstumsraten, die vor allem von einer starken Nachfrage im Metallsektor und einer Jahresendrallye bei den PKW-Verkäufen getragen wurden.
Paukenschlag in der Industrie
Entgegen der gedämpften Marktstimmung verzeichnete das verarbeitende Gewerbe im November einen bemerkenswerten Anstieg der Auftragseingänge. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag mitteilte, kletterten die Bestellungen im Monatsvergleich um satte 5,6 Prozent. Diese Entwicklung strafte die Prognosen der Ökonomen Lügen, die im Schnitt sogar mit einem Rückgang von 0,9 Prozent gerechnet hatten. Bereits im Oktober war ein nach oben korrigiertes Plus von 1,6 Prozent verzeichnet worden, doch der November-Sprung markiert eine deutliche Beschleunigung. Im Jahresvergleich ergibt sich damit ein beeindruckender Zuwachs von 10,5 Prozent.
Treibende Kraft hinter diesem Aufschwung war insbesondere die Herstellung von Metallerzeugnissen, die einen massiven Zuwachs von 25,3 Prozent verbuchte. Auch der sonstige Fahrzeugbau – eine Kategorie, die unter anderem Schiffe, Züge, Flugzeuge und Militärfahrzeuge umfasst – trug mit einem Plus von 12,3 Prozent maßgeblich zum positiven Gesamtergebnis bei. Destatis wies in seiner Erklärung zudem darauf hin, dass moderate Zuwächse in weiteren Schlüsselsektoren wie der Herstellung elektrischer Ausrüstungen, dem Maschinenbau sowie der Datenverarbeitungs- und Optikindustrie den positiven Trend stützten.
Ein Blick auf die Herkunft der Bestellungen zeigt eine breite Basis der Erholung: Die Auslandsnachfrage zog um 4,9 Prozent an, wobei Impulse aus der Eurozone mit einem Plus von 8,2 Prozent besonders stark ausfielen. Auch der Inlandsmarkt zeigte sich mit einem Anstieg von 6,5 Prozent erstaunlich vital. Besonders gefragt waren Investitionsgüter (+7,9 Prozent), aber auch Konsumgüter (+8,2 Prozent) und Vorleistungsgüter (+1,0 Prozent) verzeichneten Zuwächse.
Das Comeback des Automobilmarktes
Parallel zur Industrie konnte auch der deutsche Automarkt das Jahr 2025 versöhnlich abschließen und wieder auf Wachstumskurs einschwenken. Nach einem schwierigen ersten Halbjahr, in dem die Neuzulassungen noch hinter den Vorjahreswerten zurückblieben, gelang in der zweiten Jahreshälfte die Trendwende. Insgesamt wurden im Gesamtjahr 2.857.591 Neufahrzeuge registriert, was einem Zuwachs von 1,4 Prozent gegenüber 2024 entspricht.
Dabei sah es zur Jahresmitte noch düster aus: Bis Ende Juni lag der Markt kumuliert 4,7 Prozent im Minus, wobei der Juni selbst mit einem Einbruch von 13,8 Prozent den Tiefpunkt markierte. Doch ab Juli kämpfte sich die Branche zurück. Ein starker Dezember mit einem Plus von 9,7 Prozent auf 246.439 Einheiten sicherte schließlich das positive Jahresergebnis. Zwar fällt das deutsche Wachstum im europäischen Vergleich – etwa gegenüber Spanien oder dem Vereinigten Königreich – moderat aus, angesichts der stagnierenden nationalen Wirtschaft und anhaltender Lieferkettenprobleme bewerten Branchenkenner das Ergebnis jedoch als Erfolg. Tom Hooker, Journalist bei Autovista24, analysierte die Zahlen und betonte, dass der Markt trotz steigendem Wettbewerbsdruck durch neue Marken und wirtschaftlicher Unsicherheiten Stärke bewiesen habe.
Elektromobilität als Hoffnungsträger für 2026
Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte der Umgang mit der Antriebswende sein. Zwar konnten Elektrofahrzeuge (BEVs) und Plug-in-Hybride (PHEVs) das Gesamtwachstum stützen, doch reichten die Zuwächse im Jahr 2025 noch nicht ganz aus, um die Rückgänge bei den Verbrennungsmotoren vollständig zu kompensieren – hier fehlten am Ende knapp 18.520 Auslieferungen.
Thomas Peckruhn, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), sieht in den Zahlen dennoch ein klares Signal. Der Markt sende deutliche Anzeichen für einen Aufschwung der Elektromobilität. Sollte sich dieser Trend tatsächlich 2026 fortsetzen, könnte die E-Mobilität endgültig Fuß fassen, sofern die politischen Weichenstellungen stimmen. Peckruhn fordert hierbei klare Impulse der Bundesregierung.
Rückkehr der Förderung gefordert
Ein zentraler Faktor für das kommende Jahr ist die geplante Wiedereinführung eines nationalen Förderprogramms für Elektrofahrzeuge, zwei Jahre nach dem abrupten Ende der letzten Prämie im Dezember 2023. Der ZDK-Präsident mahnt zur Eile und verweist auf die Diskrepanz zwischen gewerblichen und privaten Zulassungen. Während Hersteller und Händler durch Eigenzulassungen die Statistik stützten, hinke die private Nachfrage hinterher und habe gerade einmal das Niveau von vor zwei Jahren erreicht.
Es sei daher dringend notwendig, dass die Bundesregierung die Subventionen für private Neuzulassungen mit sofortiger Wirkung in Kraft setze, um ein echtes und nachhaltiges Erwachen des E-Auto-Marktes zu gewährleisten. Ein breiteres Modellangebot, insbesondere in günstigeren Preissegmenten, sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur sollen langfristig die Nachfrage stärken. Für das Jahr 2026 blickt der Verband vorsichtig optimistisch in die Zukunft und erwartet einen weiteren Anstieg der Neuzulassungen um 3,5 bis 4 Prozent auf rund 2,95 Millionen Einheiten.