Der Herbst markiert im Gartenkalender nicht zwangsläufig das Ende, sondern vielmehr den Auftakt für die kommende Saison. Wer vorausschauend plant, legt jetzt den Grundstein für eine frühe Ernte im nächsten Jahr und richtet seinen Blick gleichzeitig auf die langfristigen Herausforderungen, die der Klimawandel für unsere Grünflächen bereithält. Während das Pflanzen von Wintersteckzwiebeln eine bewährte Tradition ist, erfordert die Auswahl von Zierpflanzen für 2026 ein Umdenken hin zu mehr Resilienz gegenüber extremen Wetterlagen.
Frühstart im Gemüsebeet
Für Ungeduldige, die bereits im zeitigen Frühjahr frisches Gemüse ernten möchten, ist der Anbau von Wintersteckzwiebeln eine ideale Option. Das Zeitfenster für die Pflanzung ist jetzt geöffnet: Ende September bis Anfang Oktober gilt als optimaler Zeitpunkt, um die kleinen Knollen in die Erde zu bringen. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn die Ernte erfolgt bereits ab Ende Mai – genau dann, wenn Sommerzwiebeln erst gesetzt werden.
Die Sortenwahl ist dabei entscheidend für den Erfolg. Bewährt haben sich unter anderem die gelbe „Presto“ oder die weiße „Silvermoon“, doch auch wer Farbakzente im Beet schätzt, wird fündig, beispielsweise mit der Sorte „Roter Winter“. Der Standort sollte sonnig gewählt werden und nicht zu Trockenheit neigen. Eine gute Vorbereitung des Bodens durch Lockerung, Unkrautentfernung und die Anreicherung mit reifem Kompost zahlt sich später aus. Die Zwiebeln kommen etwa drei Zentimeter tief mit dem Wurzelboden nach unten in die Erde, wobei je nach Sorte ein Pflanzabstand von circa acht Zentimetern eingehalten werden sollte.
Robuste Versorgung durch den Winter
Ein großer Pluspunkt dieser Kultur ist ihre extreme Winterhärte. Erst wenn die Temperaturen unter minus zehn Grad fallen, wird ein zusätzlicher Schutz notwendig. In solchen Fällen reicht es meist aus, die Reihen leicht mit Erde anzuhäufeln und mit Gartenvlies oder Tannenzweigen abzudecken. Kulinarisch lässt sich die Wartezeit verkürzen, da das Grün, welches stark an Frühlingslauch erinnert, schon lange vor der eigentlichen Knollenernte zum Würzen verwendet werden kann. Sobald sich das Laub gelb verfärbt, sind die Zwiebeln erntereif. Sie sollten allerdings zügig verzehrt werden, da sie sich weniger gut für eine lange Lagerung eignen.
Pflanzentrends 2026: Antwort auf das Klima
Während die Zwiebeln im Boden ruhen, richten Gärtner und Landschaftsarchitekten ihren Blick auf das Jahr 2026. Die Wunschlisten für die kommende Saison spiegeln die drastischen klimatischen Veränderungen wider. Der Wechsel zwischen extremen Sommerdürren und lang anhaltender Winternässe zwingt zu einer Neuausrichtung. Der Trend geht eindeutig weg von empfindlichen Exoten hin zu widerstandsfähigen, pflegeleichten Pflanzen, die eine nachhaltige Gartenkultur ermöglichen.
Hitzetolerante Spezialisten für vollsonnige Lagen
Im Fokus stehen Stauden, die auch ohne ständiges Gießen in der prallen Sonne gedeihen. Ein vielversprechender Kandidat ist Althaea cannabina. Dieses Malvengewächs überzeugt durch seine Wuchshöhe und die zuckerrosa Blüten im Sommer. Durch ihre halbtransparente Struktur wirkt die Pflanze filigran und sorgt bei passenden Bedingungen durch Selbstaussaat für Nachwuchs. Ebenso robust zeigt sich Asphodeline liburnica. Ursprünglich in den Bergen der Ägäis beheimatet, treibt diese Staude zitronengelbe Blütenstände aus blaugrünem, grasartigem Laub und eignet sich hervorragend für Kiesgärten.
Auch Euphorbia segueriana subsp. niciciana, bekannt als Steppen-Wolfsmilch, gewinnt an Beliebtheit. Ihr farnartiges Laub und die den ganzen Sommer über blühenden, lindgrünen Blüten machen sie zu einem Dauerläufer. Auf kargen Böden bildet sie dichte Polster, während sie auf nährstoffreichen Böden einen lockereren Wuchs zeigt. Für Farbtupfer im Spätsommer sorgt Gladiolus papilio ‘Ruby’. Diese südafrikanische Wildform gilt als voll winterhart, sofern der Boden gut drainiert ist, und besticht durch weinrote Blüten über schwertförmigem Laub.
Sarah Price, eine renommierte Gartendesignerin, empfiehlt zudem Ligusticum lucidum. Dieser Doldenblütler erinnert an Wiesenkerbel, ist jedoch deutlich toleranter gegenüber Trockenheit. Zwar ist die Pflanze eher kurzlebig, erhält sich aber durch Selbstaussaat im Garten. Ein weiterer Hingucker ist Oenothera versicolor ‚Sunset Boulevard‘. Diese Nachtkerze fasziniert durch ihr Farbspiel von Gelb über Orange bis hin zu Ziegelrot vor bronzefarbenem Laub und lässt sich leicht aus Samen ziehen.
Wer Struktur sucht, aber gigantische Ausmaße scheut, ist mit Silphium mohrii gut beraten. Die Präriepflanze bleibt mit 1,5 Metern Höhe überschaubar und lockt mit ihren blassgelben Blüten zahlreiche Insekten an. Auch neue Züchtungen bei den Salvien, wie die Sorte ‘Peach Melba’, stehen hoch im Kurs. Mit ihren zweifarbigen Blüten in Apricot und Pink schaffte sie es 2025 sogar auf die Shortlist für die „Chelsea Plant of the Year“.
Schattengewächse mit Charakter
Auch für schattige Bereiche gibt es spannende Entwicklungen. Die nordamerikanische Aralia racemosa bevorzugt feuchte Böden im Halbschatten und beeindruckt als bis zu zwei Meter hohe Strukturpflanze mit weißen Blütenrispen und später folgenden dunkelvioletten Beeren. Luciano Giubbilei setzte sie effektvoll in seinem Design für Raby Castle ein. Eine anpassungsfähige Alternative bietet Boehmeria platanifolia. Die Waldstaude bildet üppige Horste mit gezahnten Blättern und gedeiht prächtig, solange der Boden eine gewisse Grundfeuchte behält.
Für Eleganz sorgt Heuchera villosa ‘Autumn Bride’, die zwar Sonne verträgt, ihr volles Potenzial aber im Halb- oder Vollschatten entfaltet. Von Juli bis Oktober schiebt sie lange Rispen mit cremeweißen Blüten. Das Japan-Berggras Hakonechloa macra bleibt ein unverzichtbarer Allrounder: Es toleriert sowohl Trockenheit als auch kurzzeitige Überflutung und begeistert im Herbst mit einer Färbung in Gold- und Orangetönen.
Pflegeleichte Gehölze für Struktur
Bei den Gehölzen geht der Trend zu Arten, die kaum Pflege benötigen, sobald sie etabliert sind. Pinus mugo, die Bergkiefer, etabliert sich zunehmend als widerstandsfähiger Ersatz für Buchsbaum oder Eibe, wenn es um wolkenartig geschnittene Strukturen geht. Ihre Nadeln bleiben unabhängig von Wetterextremen ganzjährig grün. Ebenfalls extrem anpassungsfähig ist die Kojoten-Weide (Salix exigua). Sie kommt sowohl mit sommerlicher Trockenheit als auch mit Winternässe zurecht und besticht durch silberne Blätter an bogig überhängenden Zweigen.
Gartenprofis greifen zudem gerne auf Rosa x odorata ‘Mutabilis’ zurück. Diese Strauchrose wirkt sehr natürlich und zeigt ein faszinierendes Farbspiel, da ihre blassgelben Blüten im Verblühen Apricot-, Rosa- und Rottöne annehmen. Ein Neuzugang, der 2025 in Tom Masseys Chelsea-Garten auffiel, ist der Holunder Sambucus ‘Milk Chocolate’. Er punktet vor allem mit seinem attraktiven, rötlich austreibenden bronzefarbenen Laub.