Musterbeispiele Berliner DDR- & BRD- Nachkriegsarchitektur sollen Weltkulturerbe werden

Schön sind sie nicht – die sozialistischen Nachkriegsbauten in der Karl-Marx-Allee und die westdeutschen Betonklötze im Hansaviertel. Trotzdem setzt sich jetzt eine Bürgerinitiative dafür ein, dass diese architektonischen “Schandflecke” zum Weltkulturerbe ernannt werden.

Karl-Marx-Allee © Sansculotte / Wikimedia Commons

Karl-Marx-Allee © Sansculotte / Wikimedia Commons

Sind die ehemalige Stalinallee im heutigen Friedrichshain und die unter anderem von Bauhaus-Gründer Walter Gropius entworfenen Plattenbauten im Berliner Hansaviertel diesen Titel wirklich wert? Linken-Politiker Thomas Flierl, einst Wissenschafts-, Forschungs- und Kultursenator in Berlin, unterstützt die Initiative und rechtfertigt seinen Einsatz damit, dass es beim Festlegen der Weltkulturerbestätten nicht um ästhetische Gesichtspunkte gehe, sondern um baukulturelle. Diese seien bei den vorgeschlagenen Orten evident, denn im Prinzip sei das Hansaviertel als westliche Antwort auf die Architektur der damaligen Stalinallee entstanden, welche sich später wiederum am Nachkriegsbaustil des Hansaviertels orientierte. Nur in Berlin könne man dieses Zusammenspiel in einer solchen räumlichen Nähe bewundern.

Sollte der Vorschlag vom Berliner Senat bis zum August angenommen werden, wird er zusammen mit dem bereits eingereichten Vorschlag, den Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee zum Weltkulturerbe zu erklären, von der Kommission der Kultusministerkonferenz geprüft und – wenn für gut befunden – im Jahr 2014 der Antragsliste an die UNESCO hinzugefügt.

Hansaviertel © Manfred Brückels / Wikimedia Commons

Hansaviertel © Manfred Brückels / Wikimedia Commons

Der Jüdische Friedhof sowie die Karl-Marx-Allee und das Hansaviertel wären nicht die ersten Berliner Weltkulturerbe-Stätten. Kurz nach der Wende wurden bereits das Schloss Glienicke und die Pfaueninsel zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt, kurz vor der Jahrtausendwende folgte die Museumsinsel, und 2008 erhielten auch die Wohnhaussiedlungen Schillerpark, Carl Legien, Britz, Siemensstadt, die Weiße Stadt sowie die Gartenstadt Falkenberg diesen Titel. Finanzielle Unterstützung von der UNESCO bekommen diese Stätten jedoch nicht. Der Titel sorgt lediglich für ein wenig mehr weltweites Ansehen.

Sollte es die Initiative bis zum 1.8. nicht schaffen, ihren Wunsch ausreichend zu rechtfertigen, wird sie aus formalen Gründen wahrscheinlich erst in zehn Jahren wieder die Möglichkeit haben, den Weltkulturerbe-Titel für die Karl-Marx-Allee und das Hansaviertel zu beantragen.

Veronika Streit (mit Bildmaterial von Sansculotte & Manfred Brückels / Wikimedia unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-SA 2.0 & CC BY-SA 3.0)

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