Schwule Führungskräfte ernten Absage von Pirat Claus-Brunner

Gerwald Claus-Brunner, sonst für sein schier grenzenloses und teils kurioses Engagement bekannt, kann sehr wohl auch anders. Das durfte jetzt der Verband der schwulen Führungskräfte erfahren. Man traute sich den Piraten zu einem Empfang ins Rote Rathaus einzuladen.

© wiki.piratenpartei.de

Sein Name dürfte bislang wohl nicht allzu vielen ein Begriff sein. Viel bekannter dagegen ist das Bild des Berliner Abgeordneten in Latzhosen, der das Abgeordnetenhaus gerne auch mal mit Palästinensertuch betritt. Über Wochen, wenn nicht Monate, sorgte eben dieses Bild für Furore. Neben vielen anderen empörte sich letztlich auch die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, und bat den Vollblut-Politiker darum, das Tuch, welches ihrer Aussage nach auch für Nationalismus, den bewaffneten Kampf und Antizionismus stehe, abzulegen. Als Reaktion hierauf ersetzte Gerwald Claus-Brunner das Palästinensertuch gegen verschiedene andere Kopftücher (ohne latent-politische Wirkung) und trägt heute mitunter einen Davidstern an der Kette.

Auch sonst macht das 1972 in Harrislee (neben Flensburg) geborene Mitglied der Berliner Piratenpartei von sich reden. So etwa mit Tweets wie dem, in dem er sich wünscht, dass die versammelte Bundesregierung kurz vorm eigentlichen Ziel mit dem Flugzeug abstürzen solle (siehe hier), oder aber solchen, in denen er Kritikern „schlechten Sex“ und „kleine Pimmel“ (siehe hier) attestiert. Oder aber – wenn auch ungewollt – als Motiv einer Sixt-Kampagne (siehe Bild).

© SIXT

Nun aber scheint Claus-Brunner sich tatsächlich auch aktiv in die Tagespolitik einbringen zu wollen. Etwa im Kampf gegen „Lobbyisten“. Als solche nämlich sieht er mitunter den Verband schwuler Führungskräfte (Völklinger Kreis e.V.), dessen Einladung zum alljährlichen Jahresempfang im Roten Rathaus er partout nicht annehmen wollte. Auf die Frage, warum der Politiker in seiner Antwort an den Völklinger Kreis selbst „weitere Rechtsmittel“  (etwa eine Unterlassungsklage) nicht ausschloss, antwortete dieser (nach einem Bericht des Tagesspiegels), grundsätzlich nicht mit „Lobbyisten“ ins Gespräch kommen zu wollen. Seiner Ansicht nach handelt es sich beim Völklinger Kreis um einen „Elitezusammenschluss von Bessergestellten“. Diese jedenfalls zeigen sich ob der an sie adressierten Feindlichkeiten sehr enttäuscht und äußerten ihr Unverständnis.

Wer allerdings davon ausgeht, der Berliner Politiker hege irgendwelche schwulenfeindlichen Gesinnungen, irrt. Wie im öffentlich zugänglichen Wiki der Piratenpartei nachzulesen ist, ist der Politiker nach eigener Aussage bisexuell – „(95%schwul/5%hetero, berechnete Zeitanteile von Beziehungen)“. Gastredner des Empfangs, zu dem der Berliner Pirat nicht erscheinen möchte, ist übrigens der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit. Und das ist auch gut so!

Bernard Bruck (mit Bildmaterial von SIXT & wiki.piratenpartei.de)

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