Ruhiger 1. Mai in Berlin

Das traditionelle MyFest in Berlin-Kreuzberg verlief bis auf kleinere Ausschreitungen am Abend weitestgehend ruhig. Auch in der Walpurgisnacht feierten Jung und Alt ausgelassen, aber friedlich im beliebten Mauerpark. Das sonnige Wetter der letzten Tage ließ wohl auch keine andere als eine positive Feierstimmung zu.

1. Mai

© Christian Pohl / pixelio.de

Am Nachmittag des 1. Mai versammelten sich tausende feierlustige Menschen in Kreuzberg rund um den Mariannenplatz, um das jährlich stattfindende MyFest gebührend zu feiern. Von der Polizei war zu dieser Zeit nicht viel zu sehen. Stattdessen lachten und feierten die Menschen und tanzten zu elektronischer Musik oder diversen Rock-Konzerten durch die Straßen. Insgesamt sprachen die Veranstalter der „Revolutionären 1. Mai Demonstration“ von über 25.000 Teilnehmern.

Erst am Abend kam es im Rahmen der Demonstrationen zu kleineren Ausschreitungen. Ein Supermarkt wurde hierbei in Mitleidenschaft gezogen, jedoch konnten keine Demonstranten ins Innere des Marktes vordringen und Plünderungen dadurch verhindert werden. Ein spontaner Aufmarsch autonomer Aktivisten sorgte am frühen Abend zunächst für Unruhe. Die Gruppe von etwa hundert und teilweise vermummten Aktivisten versammelte sich – mit Plakaten „bewaffnet“ – und zog vom Mariannenplatz in die Waldemarstraße. Die Polizei stoppte die Gruppe jedoch relativ schnell, verhinderte so den Marsch in Richtung Axel-Springer-Hochhaus und damit verbundene größere Ausschreitungen. Plakate zeigten den Unmut der Demonstranten über steigende Mieten in Berliner Bezirken und die damit einhergehende Gentrifizierung. Die Bewohner fühlen sich durch die Mieterhöhungen nicht mehr in der Lage, sich eine zentrumsnahe Wohnung zu leisten, und werden an den Stadtrand gedrängt.

Kurz vor 18 Uhr störte schließlich auch noch heftig einsetzender Regen den Beginn der eigentlich geplanten „Revolutionären 1. Mai Demonstration“ am Lausitzer Platz. Die Stimmung war nach dem Ende der Spontan-Demonstration wieder friedlich, jedoch verzögerte sich der Beginn – auch durch den Platzregen – nun auf 19:20 Uhr. Die Demonstranten zogen in Richtung Mitte zum Bebelplatz – vorneweg eine Gruppe von etwa 300 Autonomen. Die Stimmung innerhalb der Demo war allerdings eher fröhlich als aggressiv. Brenzlig wurde es am U-Bahnhof Kottbusser Tor, als auf Dächern versammelte Autonome Feuerwerk, Böller und Rauchbomben zündeten. Ebenfalls flogen erste Steine in Richtung Sparkasse und Fensterscheiben, dazu dröhnten vermehrt internationale Parolen. Angekommen am Axel-Springer-Hochhaus in der Rudi-Dutschke-Straße, in der auch die „Bild“-Zeitung ihre Redaktion hat, wurde es brenzlig. Die Polizei war mit einem massiven Aufgebot vor Ort. Bis auf eine weitere Rauchbombe blieb es aber friedlich. Erst am Jüdischen Museum kam es zu weiteren Zwischenfällen: Die Polizei griff zu Pfefferspray, und einzelne Demonstranten wurden festgenommen. Der Demonstrationszug lief sich schließlich am jüdischen Museum fest und wurde kurze Zeit später, gehen 21 Uhr, aufgelöst. Laut Polizei hätten die Veranstalter keinen Einfluss mehr auf die Demonstranten gehabt und die Polizei um Hilfe gebeten. Diese habe die Auflösung der Demonstration ausgesprochen.

Größtenteils verliefen also alle Veranstaltungen am 1. Mai friedlich, und viele Berliner nutzten den sonnigen freien Tag zum Feiern und Ausgelassensein. Gegen Mitternacht begaben sich die meisten Feiernden nach Hause. Alles in allem also ein bunter Feiertag mit vielen Überraschungen, viel Sonne und guter Laune.

Tina Schwabe (mit Bildmaterial von pixelio.de)

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