Kürschnergate | Es stellte sich heraus: Babette war’s!

Eine simple Benachrichtigung über die gerade neu erschienene Ausgabe des Nachschlagewerks „Kürschners Volkshandbuch“, war es, die am heutigen Mittwoch, 25. Januar, zeitweise die Mailserver des Bundestags lahmlegte und tausende Politiker von ihrer eigentlichen Arbeit abhielt.

Nicht Terroristen, keine Hacker und auch nicht Anonymous zeichnen sich für den temporären Ausfall etlicher Mail-Postfächer von Bundestagsabgeordneten am heutigen Mittwoch verantwortlich. Nein, Babette war’s – wie sich nun heraustellte.

Foto: @tokoo / twitter.com

Ihr Motiv – soviel ist sicher – war politischer Natur. Den Staatsschutz aber brauchte es nicht, um das herauszufinden. Babette verriet sich selbst und hinterließ am Ende Spuren, die nicht nur deutschlandweit, sondern mittlerweile gar international nachzuverfolgen sind – über Twitter, Facebook & Co. Was aber war geschehen, und wie nur konnten sich selbst hochangesehene Bundestagsabgeordnete in diese „Kürschnergate“-Affäre reinziehen lassen?

Alles begann mit einer simplen Mail, in der die Öffentlichkeitsabteilung des Bundestags morgens darauf hinwies,  dass die neue Ausgabe des Kürschner Nachschlagewerks nun abholbereit sei. Wie auch sonst ist diese Information nicht nur an sämtliche Bundestagsabgeordnete und deren Mitarbeiter, sondern auch an etliche Journalisten und öffentliche Institutionen adressiert. Babette – so scheint es – kümmerte das nur wenig. Auch sie wollte eine Ausgabe des neuen Nachschlagewerks mit Informationen und Vita aller Abgeordneten des Bundestags in den Händen halten, war allerdings nicht in Berlin zugegen und bat deshalb ihre Kollegin Britta darum, ihr ebenfalls ein Exemplar mitzubringen.

Foto: btg-bestellservice.de

Wie sich nun herausstellte, wäre Babette als Mitarbeiterin der Karlsruher Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl auch tatsächlich (wie übrigens jeder andere Bundesbürger auch) dazu berechtigt gewesen, ein Exemplar zu erhalten, und sicherlich hätte ihr Britta den Gefallen auch stillschweigend getan. Babette aber wollte, dass auch andere ihr Interesse an dem Handbuch mitbekommen und versendete ihre Nachricht („Liebe Britta, wenn Ihr euch eindeckt, bringt ihr mir eins mit? Danke und herzliche Grüße.“) kurzerhand per „Allen antworten“-Funktion an sämtliche Empfänger der vorherigen Mail mit dem Hinweis auf die neue Ausgabe des Handbuchs.

Die Reaktion folgte prompt. Einige Bundestagsabgeordnete wiesen nur wenige Minuten darauf, per Rückantwort (wiederum an alle) darauf hin, dass es sich bei dem Verteiler um einen „rein dienstlichen Verteiler“ handelt. Andere Bundestagsabgeordnete und/oder -mitarbeiter wollten gleich aus dem Verteiler gestrichen werden. Wiederum andere sahen sich dazu angehalten, ihre „Mami“ zu dieser außerordentlichen Gelegenheit zu grüßen (Ich möchte über diesen Weg meine Mami grüßen! HALLO!„). 

Am Nachmittag schließlich schaltete sich die IT-Abteilung des Bundestags ein und bat die Abgeordneten, ihre Mitarbeiter und mittlerweile tausende Twitter-Follower und Facebook-Fans um Nachsicht. Mit dem Hinweis, dass die Mailserver zum Teil lahmgelegt sind und Zustellverzögerungen „von bis zu 30 Minuten auftreten“ könnten, bat man die Diskussion per „Allen antworten“-Funktion nun zu unterlassen. Unterdessen, so berichtet die offizielle Seite des Bundestags, verbrachten „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begeistert die Mittagspause gemeinsam vor dem Rechner…  Die Absenderin der Ursprungsmail wird als Mitarbeiterin des Monats vorgeschlagen, alte Bekannte finden wieder zueinander, Fotos vom Mittagessen werden ausgetauscht.“

Es ist zu erwarten, dass die unter dem Pseudonym #Kürschnergate geführte Schlacht um die neue Ausgabe des Kürschner Handbuchs sich noch etwas hinzieht. Babette hat nicht nur eine deutschlandweite Hashtag-Welle über Twitter und Google+ ausgelöst, sondern mittlerweile auch mehrere Fan-Seiten auf Facebook und Co.

Übrigens: Wer auch eine Ausgabe des Kürschner Handbuchs – mit allen wissenswerten Informationen über die derzeitigen Bundestagsabgeordneten – erhalten möchte, kann dieses kostenfrei beim Bestellservice des Bundestags ordern.

Bernard Bruck (mit Bildmaterial von @tokoo / Twitter)

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