Zwischen Hardcore, Trance & politischen Statements | Enter Shikari im C-Club

„Sold out“ – Ausverkauft – stand am Donnerstag, dem 22.9., auf der großen Leuchttafel am Columbiadamm 9-11 in Berlin. Kein Wunder, traf sich dort doch an jenem Abend die Crème de la crème der britisch-amerikanischen Hardcore-Szene: Enter Shikari brachten zusammen mit Letlive und Your Demise den C-Club zum Beben und ihre Fans zum Kleben.

© Veronika Streit

Letlive © Veronika Streit

Der Abend startete mit progressivem Post-Hardcore aus Kaliforniens sonnigem Südwesten. Letlive machten sich diesen Sommer bereits als Support Act von Szenegrößen wie Boysetsfire und Underoath einen Namen. Nun touren sie noch bis Ende Oktober mit ihrem aktuellen „Fake History“-Re-Release-Album als Vorband von Enter Shikari durch Europa. Mit Ohrwürmern wie „Muther“ und „Casino Columbus“ heizten die fünf US-Amerikaner der gut gelaunten Menge im C-Club gehörig ein, und Sänger Jason Aalon Butler verkaufte später am Merchandise-Stand noch höchstpersönlich Letlive-Band-T-Shirts, Poster und Sticker.

Nach Letlive betraten Your Demise die C-Club-Bühne, und es war nicht zu übersehen, dass einige der anwesenden Fans den Weg nach Berlin nur ihretwegen angetreten hatten. Your Demise lieferten energiegeladenen Hardcore ohne Kompromisse. Rasant und schonungslos spielten sie sowohl Songs wie „Miles Away“ vom aktuellen „The Kids We Used To Be“-Album, aber auch den Live-Klassiker „Burnt Tongues“ vom Vorgänger-Album „Ignorance Never Dies“. Die Fans feierten sie mittels Pogen, Crowdsurfen und Moshen.

Rou Reynolds/Enter Shikari © Veronika Streit

Rou Reynolds/Enter Shikari © Veronika Streit

Den Höhepunkt des Abends bildete jedoch ohne Zweifel der Auftritt der aus der Nähe von London stammenden Headliner Enter Shikari. Musikalisch liegen die Briten irgendwo zwischen Screamo-Hardcore, Punk, Drum’n’Bass, Dubstep und Trance und klingen wie eine Mischung aus Prodigy und Refused. Seit 2003 sprengen sie die (ihrer Meinung nach völlig überflüssigen) Grenzen sämtlicher Musikgenres und vereinigen sie in etwas, das sie selbst als Trancecore bezeichnen. In jedem Fall wissen Enter Shikari, wie man das Publikum zum Tanzen animiert. Dazu tragen aber nicht nur solch euphorische Trancecore-Hymnen wie „No Sleep Tonight“ bei, sondern auch die fulminante Lichtshow, die den C-Club am Donnerstagabend streckenweise in eine grell-bunte Großraumdisco verwandelte. Definitiv nichts für Epileptiker!

Batty C/Enter Shikari © Veronika Streit

Batty C/Enter Shikari © Veronika Streit

Ein paar neue Songs hatten Enter Shikari auch im Gepäck. Neben dem brandneuen „Arguing With Thermometers“ spielten sie die ebenfalls in diesem Jahr veröffentlichten Singles „Quelle Surprise“ und „Sssnakepit“. In ihren Songtexten geht es weniger um die typischen Hardcore-Themen wie Widerstand und Antikonformität, nein, Enter Shikari wollen positive Messages verbreiten. „Wir stehen hauptsächlich für Einheit“, sagt Frontmann Rou Reynolds. Statt die bestehenden politischen Zustände schlichtweg zu verdammen, wollen Enter Shikari sie benennen und Lösungen finden, indem sie das Gespräch mit ihren Fans und anderen Bands suchen, zusammenkommen und sich „vereinigen“ („We must unite – wir müssen uns vereinigen“), wie sie es im Intro ihres aktuellen Albums „Common Dreads“ predigen. Was Enter Shikari auf jeden Fall vermeiden wollen, ist, naive Songs über süße Mädchen mit tollen Hintern zu schreiben. Stattdessen beschäftigen sie sich in ihren Liedern mit aktuellen Themen wie der Klimaerwärmung, Kriegen, der Freiheitsberaubung in Überwachungsstaaten und den Konsequenzen des westlichen Konsumverhaltens. „Man ist nur einmal jung, und deshalb ist es für uns wichtig, auch in dunklen Zeiten optimistisch zu sein“, fasst Reynolds die Ideen der Band zusammen. Den Gedanken der Einheit und dass zusammen etwas zu ändern Spaß machen kann, konnte man auch am Donnerstag im C-Club spüren. Und so war es fast ein wenig schade, dass Enter Shikari ihr Set bereits nach knapp 70 Minuten mit dem als Zugabe gespielten „Juggernauts“ beendeten.

Veronika Streit

© Veronika Streit

© Veronika Streit

© Veronika Streit

© Veronika Streit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.