Ein Musicboard gegen die sterbende Club-Landschaft Berlins soll Schließungen verhindern

Das Problem ist bekannt: Vielen Anwohnern ist der andauernde Lärm der Berliner Club-Landschaft zu viel. Die Beschwerden bei den Behörden häufen sich, und immer öfter führen diese Beschwerden zur Schließung der beliebten Berliner Musik-Clubs.

© Nik Styles / pixelio.de

Ende 2010 gaben die Betreiber des Knaacks in der Greifswalder Straße endgültig auf. Die Türen eines der ältesten Clubs in Berlin bleiben nun für immer geschlossen. Genau dieses Schicksaal droht jetzt mindestens 15 weiteren Veranstaltungsorten im Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg. Was also tun, um das zu verhindern und gleichzeitig ein Stück Kultur der Hauptstadt zu erhalten? Die Musikbranche will dem Club-Sterben durch die Gründung einer „Musicboard“-Initiative ein Ende setzen.

Die Clubcommission ist ein Verein, zu dem sich 120 Berliner Clubs zusammengeschlossen haben. Sie verfolgt unter anderem das Ziel, die Berliner Klubkultur zu erhalten. Als sogenanntes Sprachrohr der Berliner Clubszene setzt sie sich dafür ein, dass die Belange der Mitglieder in Politik und Wirtschaft auch wahrgenommen werden. Viele Klubbetreiber fühlen sich von der Politik allein gelassen, was auch der Betreiber des Kiki Blofeld Gerke Freyschmidt erfahren musste. Die an der Spree gelegene Strandbar gab am 10. September ebenfalls auf. Der Mietvertrag wurde nicht mehr verlängert, denn auf dem Gelände sollen nun Wohnungen entstehen. Nachdem er sieben Jahre lang nicht dauerhaft planen konnte, da es sich bei den Mietverträgen nur um Jahresverträge handelte, war er sich nie sicher, was ihn im nächsten Jahr erwarten würde. Nun hat er Gewissheit und das Kiki bleibt verschlossen.

Seit Mai dieses Jahres arbeiten nun drei große Musiknetzwerke zusammen, um gemeinsam etwas zu erreichen: Die Berlin Music Commission, Clubcommission Berlin und die Labelcommission Berlin starteten die Kampagne Musik 2020 und werden dabei von rund 400 Clubs, Unternehmen und Kreativen in ihrer Arbeit unterstützt. Sie fordern, dass auch populäre Musik stärkere wirtschaftliche Förderung erhalten und sie endlich als Kulturgut anerkannt werden soll, um damit die „inakzeptable Benachteiligung“ einzelner zu beenden. Der Kampf um Anerkennung hat gerade erst begonnen.

Die Politik hat sich bisher mit fehlender Aufmerksamkeit erfolgreich aus der Affäre ziehen können, jedoch würde der Berliner CDU-Abgeordnete Christian Goiny die Initiative begrüßen und unterstützen. Ein „Musicboard“ für Berlin ist seiner Meinung nach das Richtige für Berlin – ganz nach dem Vorbild des Medienboards Berlin-Brandenburg, welches eine Anlaufstelle für Kreative in Film- und Medienbranche darstellt, könnte es die Interessen der Musikwirtschaft bündeln, egal um welche Art von Musikkultur es sich handelt. Seinen Vorschlag möchte er nun bei den Haushaltsberatungen im Abgeordnetenhaus vorbringen. Die Musik-Lobbyistin Katja Lucker sieht bei Lärmbeschwerden ebenfalls die Politik in der Pflicht: „Schon bei der Planung der Entwicklung von Stadtvierteln muss bedacht werden, wo Wohnhäuser sind und wo Clubs sich ansiedeln können.“ So wird es hoffentlich bald einheitliche Regelungen geben, um die Clubkultur Berlins erhalten zu können.

Weitere Infos zum Programm der Clubcommission unter: www.clubcommission.de

Tina Schwabe (mit Bildmaterial von pixelio.de)

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