JWD Fürstenberg/Havel – Auf Schienen durch die Wasserstadt

Am Samstag, dem 9. Juli 2011, machte sich das Hauptstadtstudio mal wieder auf, das Berliner Umland zu erkunden. Ziel war Fürstenberg/Havel, das Tor zur Mecklenburger Seenplatte. Obwohl Fürstenberg die einzige Wasserstadt Deutschlands ist, bewegten wir uns nicht auf Flüssen oder Seen fort, sondern nutzten über weite Strecken die Schiene.

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Fürstenberg/Havel liegt knapp 80 Kilometer nördlich von Berlin im Landkreis Oberhavel. Nie zuvor lag das Ziel eines unserer JWD-Trips weiter von Berlin entfernt. Die Anreise führte uns über den Berliner Ring und die B96 vorbei an Stadtkirche und Rathaus direkt mitten ins Zentrum von Fürstenberg. Letzteres sehr zum Leidwesen der Bewohner Fürstenbergs, was weniger an unserem Besuch lag, sondern vielmehr der Tatsache geschuldet ist, dass es für die verkehrsreiche Bundesstraße keine Ortsumfahrung gibt. Ihrer Unzufriedenheit mit dieser Situation verleihen die Fürstenberger Einwohner unter anderem mit zahlreichen Protestschildern entlang der Straße Ausdruck.

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Dass Fürstenberg mit seinen etwas mehr als 6.000 Einwohnern nicht umsonst und voller Stolz den Beinamen Wasserstadt trägt, zeigt sich dem Besucher schon bald. Wie der Stadtname bereits andeutet, wird Fürstenberg von der Havel durchflossen. Der Stadtkern ist zudem von Röblinsee, Baalensee und Schwedtsee umschlossen. Mehr als die Hälfte der Stadtfläche besteht aus Wasser. Dazu gesellen sich weitere Gewässer wie Stolpsee, Haussee, Moderfitzsee, Sidowsee oder auch der Piansee im Ortsteil Himmelpfort.

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Draisinenfahrt nach Lychen
Bevor wir uns aufmachten, die Altstadt zu erkunden, ging es zu allererst in Fürstenbergs Norden, um uns mal auf gänzlich neue Art fortzubewegen. Auf Deutschlands erster Draisinenstrecke, die seit 1996 in Betrieb ist, bewegten wir uns „per pedales“ mit einer Fahrraddraisine, auf der bis zu 4 Personen Platz haben, in Richtung Lychen. An insgesamt fünf Stationen kann man auf dem Weg zum Strandbad Lychen Halt machen. Wir stoppten zuerst in Ravensbrück.

Dort befindet sich die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, die an das größte deutsche Frauenkonzentrationslager erinnert, welches hier von 1939 bis zur Befreiung durch die Rote Armee am 30. April 1945 bestand. Heute gibt es auf dem Gelände mehrere Gedenkräume sowie eine Vielzahl von Ausstellungen, u.a. zur Geschichte des Zellenbaus und zu den Themen „Zwangsarbeit“ und „Aufseherinnen im KZ Ravensbrück“.

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Weihnachtsort Himmelpfort
Da die Zeit knapp und uns bei dem herrlichen Wetter nicht nach trüben Gedanken war, fuhren wir schließlich weiter und beschlossen, Himmelpfort – dem nächsten Ort auf unserer Strecke – einen ausgedehnteren Besuch abzustatten. Ganz idyllisch zwischen Sidowsee, Moderfitzsee, Haussee und Stolpsee gelegen, lockt Himmelpfort nicht nur mit wunderschönen Badestellen, nein – der Erholungsort beherbergt auch die berühmte Weihnachtsmannstube mit dem Weihnachtspostamt, an das Kinder aus aller Welt zu jeder Jahreszeit ihre Wunschzettel schicken können.

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Rund 280.000 Briefe aus etwa 80 Ländern erreichen den Weihnachtsmann in Himmelpfort inzwischen jährlich. Beantwortet werden sie von den fleißigen „Weihnachtsengeln“ der Deutschen Post, die die Filiale seit 1994 betreibt, nachdem aufgrund des „himmlischen“ Ortsnamens immer wieder Weihnachtspost dorthin adressiert wurde. Zu seinem Namen kam Himmelpfort bereits im Jahr 1299, als ein Zisterziensermönch beim Anblick der kleinen Landzunge zwischen den vier Seen „Coeli porta“ – Pforte des Himmels – rief und sein Bruder daraufhin den Bau eines Klosters mit diesem Namen veranlasste. Auch heute noch kann man das Klosterensemble mit Klosterkirche, dem – leider schon recht verfallenen und deshalb nicht betretbaren – Klosterbrauhaus, einem Glockenstuhl und Resten der nördlichen Klostermauer sehen, welche sich direkt hinter dem Weihnachtshaus befinden. Seit 1998 gibt es außerdem noch einen Kloster-Kräutergarten mit integriertem „Sinnespfad“. Dort können junge und jung gebliebene Besucher Lavendel, Rosmarin & Co. ausgiebig befühlen und beschnuppern. Auf dem Weg zurück zur Draisine kamen wir dann nicht nur an der ein oder anderen Weihnachtsmannstatue vorbei, sondern passierten auch ein Holzboot, das – mit reichlich Blumen geschmückt – auf einem leeren Platz stand und an die Binnenschifffahrt in Himmelpfort erinnerte. Sie soll die Entwicklung des Ortes maßgeblich beeinflusst haben, weil sich die Binnenschiffer hier nach und nach mit ihren Familien niederließen und sich die Gemeinde so immer weiter vergrößerte.

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Flößerstadt Lychen
Mit der Draisine vorbei am Piansee, der Fischerei und dem Schlüßhof landeten wir schließlich am Strandbad in Lychen, wo wir unsere Draisine wendeten. Vorher spazierten wir jedoch noch am Ufer des Stadtsees entlang bis zum Fürstenberger Tor, welches zur ehemaligen Stadtbefestigung gehört. Früher befand sich vor dem Tor ein sechs Meter breiter Graben, dessen Reste man noch im angrenzenden Friedrich-Ebert-Park sehen kann. Auch das Torhäuschen sowie Reste der Stadtmauer sind erhalten. Vor den Stadttoren erinnert außerdem die sog. Postablage an Lychens Flößertradition. An diesem Holzsammelplatz luden die Flößer das in den nahen Wäldern geschlagene Holz ins Wasser und verbanden es dann zu Flößen, mit denen sie schließlich die Havel abwärts fuhren und meist erst nach mehreren Tagen ihren Bestimmungsort erreichten.

Der Rückweg nach Fürstenberg gestaltete sich recht kurzweilig, denn zum einen zeigte sich das Wetter nun von seiner sonnigen Seite, zum anderen freuten wir uns auf eine warme Mahlzeit auf dem Fürstenberger Wasserfest.

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15. Brandenburger Wasserfest
Wie der Zufall es so wollte, fand am Tag unseres Besuches das mittlerweilte traditionelle Brandenburger Wasserfest statt. Obwohl sich in Fürstenberg eigentlich das ganze Jahr über fast alles um das nasse Element dreht, wird an drei Tagen am und im Wasser gefeiert. Brandenburgs stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister Helmuth Markov ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp die 15. Ausgabe des Wasserfestes im Stadtpark persönlich zu eröffnen. Ungeachtet der warmen Begrüßungsworte der anwesenden Polit-Prominenz flogen die Herzen der Fürstenberger doch jemand anderem zu. Denn seit jeher macht niemand Geringeres als der Meeresgott Neptun selbst dem Wasserfest seine Aufwartung. Neben dem Auftritt Neptuns sorgten noch zahlreiche Konzert-Acts für Stimmung, doch warteten die Besucher vor allem auf den Start der traditionellen Spaßbootregatta. Wer ein Wettrennen lustig bemalter Schiffchen vermutet, hat nur zum Teil Recht, denn Geschwindigkeit spielte hier keine Rolle. Vielmehr geht es bei dieser Regatta um Kreativität und Originalität. In den vergangenen Tagen und Wochen verbrachten deshalb wieder zahlreiche Fürstenberger – jung wie alt – viele Stunden damit, ihre Boote in Luxuskreuzer und Piratenschiffe, schwimmende Feuerwehrautos oder auch einen Dschungel zu verwandeln, um im Kampf um den begehrten Wanderpokal die Gunst des Publikums zu gewinnen. Und so schipperte eine Art sommerlicher Karnevalsumzug über den Schwedtsee.

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Altstadt voller Se(h)enswürdigkeiten
Nach der Regatta hieß es für uns, langsam Abschied zu nehmen von Fürstenberg – jedoch nicht, ohne noch einen kleinen Streifzug durch die Altstadt zu unternehmen. Ein Großteil der Häuser wurde in den letzten knapp 15 Jahren aufwändig saniert. Einige wurden dabei liebevoll mit Motiven aus der Märchenwelt versehen. Unser Weg führte uns schließlich zu einer pittoresken, 45 Meter langen überdachten Holzbrücke, welche die Altstadt mit dem Havelpark verbindet. Auf der Brücke bietet sich den Spaziergängern zu beiden Seiten ein wundervoller, ja romantischer Blick über Schwedtsee und Baalensee. Danach ging es zurück ins Zentrum auf den Marktplatz. Dieser wird von einem imposanten und dabei doch filigran wirkenden gelben Backsteinbau beherrscht. Die Stadtkirche wurde 1845 nach den Plänen Friedrich Wilhelm Buttels, eines Schülers von Karl Friedrich Schinkel, im neubyzantinischen Stil errichtet. Dies war nun der Schlusspunkt eines Tages voll außergewöhnlicher körperlicher Ertüchtigung, Begegnungen mit Meeresgottheiten und weiterer Se(h)enswürdigkeiten: ein wundervoller Sommertag in der Wasserstadt Fürstenberg/Havel.

Für das Hauptstadtstudio waren unterwegs: Bernard Bruck, Martin Schlereth, Tina Schwabe und Veronika Streit

 

1 comment

  1. Frank Gubitz

    Ein freundliches Hallo aus Fürstenberg!
    Habe durch den Hinweis eines Berliners diesen Bericht über unsere Gegend gelesen. Insgesamt finde ich die Dokumentation recht schön, und es wird sicher so manchen Berliner in unsere Gegend locken. Ein kleiner Hinweis zu eingeschlichenen Fehlern: Die Draisine nach Lychen führt in Richtung Uckermärkische Seen, nicht durch das Ruppiner Seenland, und in Himmelpfort gibt es den Sidowsee-nicht Sidomsee. (Anm. d. Red.: Haben wir natürlich umgehend geändert. Vielen Dank für den Hinweis.)
    Nun wünsche ich weiter gutes Gelingen.
    Übrigens vermieten wir auch Ferienzimmer, im Netz über unseren Tourismusverein:
    http://www.fuerstenberger-seenland.de/gastgeber/fz.php?farbe=blau_

    Frank Gubitz

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