Stuttgarter Rollergirlz entführen Rollerderby-Titel aus Berlin

Am Samstag fanden in der Treptower Arena die ersten Deutschen Meisterschaften im Roller Derby statt. Große Hoffnungen auf den Titel machten sich die Lokalmatadorinnen der Berlin Bombshells. In einem Herzschlagfinale standen sie schließlich den Stuttgart Valley Rollergirlz gegenüber.

Obwohl die Sportart bereits vor über 70 Jahren erfunden wurde, hat es bis zum vergangengen Samstag gedauert, bis die erste Deutsche Meisterschaft im Roller Derby ausgespielt wurde. Nichtsdestotrotz fanden sich zahlreiche eingefleischte Fans in der Arena ein. Für diejenigen, welche zum ersten Mal bei einer Rollerderby-Veranstaltung waren, wurden die Regeln immer wieder erklärt. Sobald die grundlegenden Spielregeln verstanden waren, fieberten alle gespannt mit.

Am Start waren fünf Teams: neben den Berlin Bombshells noch die Stuttgart Valley Rollergirlz, die Devil Dolls aus Essen, die Barockcity Rollergirls aus Ludwigsburg sowie die Hanse Connection aus Hamburg und Bremen. Und die jungen Damen wussten die Zuschauer auf den am Ende vollbesetzten Tribünen der Arena zu begeistern. Ausgestattet mit Kriegsbemalung, Netzstrümpfen und Hot Pants gingen die jungen Damen ans Werk und legten dabei jegliche mädchenhafte Etikette ab. Ihre Kampfnamen wie Master Blaster, Bambule, Blitzkrieg Bombshell, Tequila Knockout oder Lola Brennt ließen bereits darauf schließen und erwiesen sich nicht als hohle Phrasen.

Schiri-Punks sorgen für Ordnung
Gott sein Dank gibt es beim Roller Derby noch jede Menge Referees und so genannte Non-Scating-Officials (NSO). Und das ist auch gut so, denn auf der Laufbahn gehts ordentlich zur Sache. Die Mädels blocken und rempeln was das Zeug hält, da fliegt schon mal die ein oder andere Spielerin aus der Bahn. Generell geht es recht hektisch zu, so dass es nicht immer leicht fällt, den Überblick zu behalten, wer gerade gefoult hat und wie viele Punkte erzielt wurden. In puncto ausgefallenem Auftreten stehen manche Referees den Spielerinnen in nichts nach. Bei welcher Sportart sieht man sonst schon Schiedsrichter mit tiefschwarzem Lidschatten, kariertem Rock oder einem Kampfnamen wie Karl Lager Filled.

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Nach den fünf Vorrunden-Partien musste sich das Team aus Ludwigsburg aus dem Wettbewerb verabschieden. Für das Finale konnten sich die Berlin Bombshells und die von einer großen Fangemeinde unterstützten Stuttgart Valley Rollergirlz qualifizieren. Doch zunächst stand das Spiel um Platz 3 auf dem Plan. Hier konnten sich die Mädels der Essener Devil Dolls, nachdem sie zur Halbzeit noch zurücklagen, deutlich mit 146:97 gegen die Hanse-Connection durchsetzen.

Don’t mess with a Rollergirl!
Als krönender Abschluss stand das Endspiel um die erste Deutsche Meisterschaft an. Die Tribünen waren schnell bis auf den letzten Platz gefüllt. So suchten die übrigen Zuschauer nach freien Steh- oder Sitzplätze dicht am Spielfeldrand, was nicht ganz ungefährlich war, da Spielerinnen und Schiedsrichter teils mit ordentlichem Speed vorüberrauschen. Die Szenerie war angerichtet, und im Endspiel  sollte es schließlich richtig heiß hergehen. Spielerinnen wie auch Fans gaben alles – manchmal auch zu viel des Guten. Der Berliner Fanblock der Bombshell Ultras und die Anhänger aus Schwaben schaukelten sich mit Schlachtrufen gegenseitig hoch und scheuten auch vor Provokationen nicht zurück. Da stürmte auch mal der ein oder andere Fan die so genannte „Danger Zone“, welche die Laufbahn umgibt. Einige Berliner Anhänger ließen sich daraufhin zu Handgreiflichkeiten hinreißen. Dies widerum wollte sich eine Spielerin der Rollergirlz nicht gefallen lassen und ging auf die Übeltäter los. Referees und Security-Leute mussten dazwischengehen. Ein Fan aus dem Schwabenblock empörte sich: „Des is kei Krieg, des is a Spiel!“. Spätestens jetzt war aber klar, dass es sich hier um keine reine Spaßveranstaltung, sondern einen echten Wettbewerb handelte.

Immer diese Schwaben in Berlin
Gespielt wurde dann auch noch – und wie! War das Spiel um den Bronze-Rang am Ende doch eine recht klare Angelegenheit, so entwickelte sich das Finale zu einem wahren Thriller. Keine der beiden Mannschaften konnte sich im Verlauf der 60 Minuten Spielzeit deutlich absetzen. Zwei Minuten vor Ende stand es gar unentschieden. Das war nichts für schwache Nerven. Immer wieder musste das Spiel minutenlang unterbrochen werden, da sich die Referees und NSOs beraten mussten. Eine Minute vor Ablauf der Spielzeit gingen die Stuttgarterinnen in Führung. Als nur noch sieben Sekunden auf der Spieluhr standen versuchten die Bombshells noch einmal alles, um im letzen Jam (Punkterunde) doch noch die Wende zu schaffen. Die Halle brodelte, doch auch der Gewinn des letzten Jams half nichts mehr. Das Finale ging knapp mit 124:128 verloren, der Titel an die Rollergirlz. Dass die Fans aus der Schwabenmetropole anschließend „Stuttgart ist viel schöner als Berlin“-Gesänge anstimmten, dürfte der seit Jahren, besonders in Prenzlauer Berg, gepflegten Aversion von Berlinern gegenüber Schwaben nicht gerade abträglich gewesen sein.

Die Spielerinnen der Berlin Bombshells zeigten sich aber als faire Verliererinnen und gute Gastgeberinnen, beglückwünschten die Siegerinnen aus Stuttgart und überreichten ihnen die Goldmedaillen. Trotz aller Rivalität, Aufregung und Härte fand der Abend so doch noch ein versöhnliches Ende. Wir schließen uns den Glückwünschen an den Meister an und gratulieren aber auch besonders den Berlin Bombshells zur Vize-Meisterschaft. Das hat gerockt!

Martin Schlereth

anhänger

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