Hilfe! Der Winter kam mit Schnee nach Berlin

Alle Jahre wieder. Knapp zehn Tage lang hatte der Winter große Teile Deutschlands und auch Berlin fest im Griff. Doch anstatt sich über die winterliche Pracht zur Weihnachtszeit zu freuen, stöhnen und schimpfen die Menschen allerorten. Da stellt sich die Frage, wer hat Schuld an dem Wetterschlamassel?

© Klicker / pixelio.de

Fast scheint es so, als wäre zum ersten Mal Schnee gefallen. Kaum hat sich eine weiße Schicht über die Stadt verteilt, bricht das allgemeine Winterchaos los. Damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Oder vielleicht doch? Das Warten auf die S-Bahn oder Tram auf dem morgentlichen Weg zur Arbeit wird für viele zum Glücksspiel. Kommt die Bahn, kommt sie nicht? Und wenn ja, wann kommt sie, und findet man dann auch noch ein paar Quadratzentimeter Platz darin? Als Grund für die Verzögerungen werden verschneite Schienen und vereiste Weichen sowie technische Defekte bei den Wagen angegeben. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Die Bahnbetreiber waren aber wohl etwas überrascht vom Wintereinbruch.

Warum hat uns denn keiner gewarnt?
Doch auch den Autofahrern ergeht es nicht viel besser. Kaum ist eine Straße geräumt, fällt schon wieder neuer Schnee. Manch Seitenstraße sieht auch gar keinen Schneepflug. Und dann erdreistet sich die Bundesregierung auch noch Hals über Kopf, eine Winterreifenpflicht einzuführen. So führt der Weg vieler Autofahrer schnurstracks zum nächsten Reifenhändler. Diese witterten zunächst noch das Geschäft ihres Lebens, aber auch hier ist inzwischen Ernüchterung eingekehrt. Es gibt einfach nicht mehr genug Winterreifen, um die Nachfrage zu befriedigen. Also heißt es für viele PKW-Lenker notgedrungen, sich mit Sommerreifen ins winterliche Verkehrgetümmel zu werfen. Da bleiben Unfälle nicht aus. Schnell wird dann auf die Reifenhändler, welche keine Winterreifen verkauft haben, oder die Regierung, welche urplötzlich die Winterreifenpflicht eingeführt hat, geschimpft. Die Tatsache, dass im Winter gelegentlich mal Schnee fällt – Winterreifenpflicht hin oder her -, ist wohl einigen Autofahrern entfallen.

Nachdem auf Schiene und Straße nicht viel voran geht, erscheint noch die Flucht über die schneebringenden Wolken möglich. Aber nichts da. In den vergangenen Tagen wurden zahlreiche  Flüge auf den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld gecancelled. Die Flieger mussten am Boden bleiben, da das Frostschutzmittel ausgegangen war. Der Lastwagen, welcher die heiß ersehnte Flüssigkeit bringen sollte, steckte bezeichnenderweise auf der Autobahn im Stau.

© Karl-Heinz Liebisch / pixelio.de

Wenn schon auf die Technik bei dieser Witterung kein Verlass ist, dann muss sich jeder, der mobil bleiben will, zu Fuß auf den Weg machen. Aber – man ahnt es bereits – gibt es auch hier zahlreiche Stolperfallen. Nach den Erfahrungen des harten Winters im letzten Jahr – ja, auch da gab es bereits einen Winter mit Eis und Schnee – hat der Berliner Senat entschieden, Hauseigentümer bei der Räumung der Gehwege stärker in die Pflicht zu nehmen. Im letzten Winter konnten zahlreiche ältere und körperlich beeinträchtigte Berliner ihre Wohnungen teils wochenlang nicht verlassen, da die Wege nicht ausreichend geräumt oder zu stark vereist waren. Zu allem Übel ging auch noch das Streusalz aus. Doch da viele Hauseigentümer ihrer Pflicht auch diesmal nicht ausreichend nachzukommen scheinen, hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit alle Berliner aufgefordert, zur Schaufel zu greifen.

Bahn? Auto? Flugzeug? Schlitten!

Es scheint, als wären einzig die Kinder glücklich, wenn es heißt: Ski und Rodel gut. Die ganze Stadt wird zu einem großen Spielplatz. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Eltern Ihre Lehren aus dem letzten Winter gezogen haben und frühzeitig vorgesorgt haben. Damals waren Bobs und Schlitten überall ausverkauft.

Nun hat mit voller Wucht Tauwetter eingesetzt. Da müsste doch, abgesehen von den Kindern, jeder zufrieden sein; keine vereisten Weichen, der Schnee auf den Gehwegen schmilzt und Flugzeuge können starten ohne erst lange enteist zu werden. Allerdings ist es jetzt überall nass, matschig und ungemütlich. Zudem sind es nicht einmal mehr zwei Wochen bis Heiligabend. Und weiße Weihnachten sollten es dann doch sein. Wehe wenn nicht, dann würden sich wohl einige beschweren. Aber bei wem?

Martin Schlereth (mit Bildmaterial von pixelio.de)

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