Olympia 1968 im geteilten Berlin – eine Schnapsidee?

Olympia und Berlin: dies war stets eine problembehaftete Beziehung. Bisweilen bietet diese Paarung auch recht skurrile Geschichten. Wie jetzt bekannt wurde, gab es Pläne, die Olympischen Sommerspiele 1968 im geteilten Berlin auszurichten.

Die Olympischen Sommerspiele 1936 waren nicht nur aus sporthistorischer Sicht von großer Bedeutung, sondern gingen auch abseits von höher – schneller – weiter in die Geschichtsbücher ein. Versuchte doch das nationalsozialistische Regime mit den ersten Olympischen Sommerspielen auf deutschem Boden, die Überlegenheit der Deutschen Rasse zu demonstrieren, allerdings wurden die Spiele dann ausgerechnet zur großen Show eines dunkelhäutigen Athleten – des legendären Jesse Owens. Eigentlich hätte Olympia bereits 20 Jahre zuvor in Berlin stattfinden sollen, jedoch mussten die Spiele 1916 aufgrund des 1. Weltkrieges ausfallen.

Nahezu legendär war auch die gescheiterte Bewerbung um die Milleniums-Spiele 2000. In der Euphorie um die Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins, war man voller Zuversicht, die Spiele zur Jahrtausendwende wieder an die Spree zu holen. Dem Projekt Berlin 2000 war jedoch kein gutes Ende beschieden. Mit den zweitwenigsten Stimmen schied Berlin bei derVergabe der Spiele bereits im 1. Wahlgang aus.

Nun gesellt sich eine weitere Anekdote hinzu. Wie der Sporthistoriker Christopher Young in einem Interview mit dem TAGESSPIEGEL mitteilte, gab es Pläne, die Olympischen Sommerspiele 1968 nach Berlin zu holen. Bei den Recherchen zu seinem Buch „The 1972 Munich Olympics and the Making of Modern Germany“ stieß Young auf Informationen, denenzufolge der damalige NOK-Präsident Willi Daume knapp 20 Jahre nach Kriegsende wieder Olympische Spiele nach Deutschland zu holen. Zusammen mit dem damaligen Regierenden Bürgermeister von West-Berlin Willy Brandt verfolgte Daume die „Schnappsidee“ (Young), die Spiele sowohl im West- als auch im Ost-Teil der geteilten Stadt auszurichten.

Es blieb jedoch bei der Idee. Sowohl die Bundesregierung als auch die Alliierten sprachen sich gegen Spiele im Epizentrum des Kalten Krieges aus.  Anstelle des gefährlichen Berlins richtete 1972 das beschauliche München die ersten und bis dato einzigen Olympischen Spiele im Nachkriegs-Deutschland aus. Wie sich herausstellen sollte, waren aber auch der bayerischen Landeshauptstadt aufgrund internationaler Konflikte keine friedlichen Spiele vergönnt.

Martin Schlereth

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