Deutschland gegen Ghana – Duell der Berliner Boateng-Brüder ums Achtelfinale

Es ist angerichtet. Nach der unerwarteten und unnötigen Niederlage gegen Serbien wird das letzte Gruppenspiel der Deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Ghana um einiges spannender, als es sich die meisten gewünscht oder vorgestellt hatten. Besondere Brisanz erhält das Spiel durch das mögliche Aufeinandertreffen der in Berlin geborenen Boateng-Brüder.

© Rautenfreund / wikipedia.de

Es war der 15. Mai 2010 kurz nach halb 5 Uhr nachmittags (MEZ) als im Londoner Wembley-Stadion die Weltmeisterschaftsträume der Deutschen Nationalmannschaft und ihrer Fans einen herben Dämpfer bzw. Tritt erlitten. An diesem Tag standen sich der FC Chelsea und der FC Portsmouth im Finale des FA-Cups gegenüber. In den Reihen der Blues aus London stand auch der Kapitän der DFB-Elf Michael Ballack. Der Sieg im Cup-Finale sollte ihm weiteren Auftrieb auf dem Weg zum WM-Titel in Südafrika verleihen. Doch da hatte er nicht mit dem Einsteigen des gebürtigen Berliners Kevin-Prince Boateng  auf der gegnerischen Seite gerechnet. Boateng grätschte in der 35. Minute dem deutschen „Capitano“ dermaßen in die Parade, dass dieser nicht nur wenige Minuten später das Spielfeld verlassen musste, sondern mit einer Sprunggelenksverletzung auch für die WM ausfällt. Boateng schien wieder einmal seinem Image als Bad Boy mehr als gerecht zu werden. Es handelte sich schließlich um mehr als „nur“ ein Foul. Bereits 2009 hatte sich Kevin-Prince Boateng, der von der U15 bis zur U21 alle Auswahlmannschaften des DFB durchlaufen hat, gegen den DFB entschieden und bekannt gegeben, für das Heimatland seines Vaters Ghana spielen zu wollen. Und wie es der Zufall so wollte, stehen sich nun Ghana und Deutschland bei der WM gegenüber.

Schnell gründeten sich im Internet „Anti-Boateng“-Gruppen mit Namen wie „82 Millionen gegen Boateng“ oder „K.P.-Boateng – Staatsfeind Nr. 1″. Der Gescholltene sieht sich als Opfer einer Kampagne. Schließlich habe ihn Ballack im Spiel provoziert und sogar geohrfeigt. Dies mag auch den Tatsachen entsprechen, jedoch keine Erklärung oder Rechtfertigung für das rüde Einsteigen Boatengs gegen das Sprunggelenk der Nation“ sein. Auch sein Halbbruder Jérôme wollte ihm hier nicht zu Hilfe eilen und konstatierte sogar, dass Kevin für das Foul nicht nur Gelb, sondern Rot hätte sehen müssen. Die Beziehung zwischen beiden kühlte daraufhin vollkommen ab.

Das Spiel zwischen Ghana und Deutschland wurde schnell zum Bruderduell oder gar Bruderkampf hochstilisiert. Doch die Vorzeichen haben sich geändert. Während der böse Bube Kevin-Prince nach gerade einmal 3 Länderspielen zu einem Leistungsträger seines Teams wurde, durfte der brave Boateng, Jérôme, bei dieser WM das Geschehen auf dem Feld bisher nur von außen betrachten. Viel wichtiger als der Vergleich der beiden Berliner Brüder ist ohnehin die Frage: schaffen Jogis Jungs den Vorrunden-KO gegen Ghana abzuwenden?

Kevin-Prince gibt sich unterdessen weiterhin recht unversöhnlich, wenn er diese Woche in der Sport Bild tönt: „Mir ist es egal, ob Deutschland rausfliegt. Nach einem Tor machen wir ein schönes Tänzchen für die deutschen Kollegen.“ Auch wenn man sich nicht auf diese Spielchen einlassen oder in die Hasstiraden einsteigen will, hoffen wir doch, dass am Ende Jérôme Grund zum tanzen hat.

Martin Schlereth (mit Bildmaterial von wikipedia.de)

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