Im Schneckentempo zur sauberen Stadt – mit Tempo 30 gegen Feinstaub

Berlin ist eine Metropole, ein Ballungsraum. Aber wo sich viele Menschen ballen, da entsteht zwangsläufig auch viel Dreck – besonders wenn sich diese vielen Menschen auch noch motorisiert fortbewegen.

© Samy13 / pixelio.de

Der Berliner Senat versucht immer wieder mit neuen Vorschlägen, Initiativen und Gesetzen die Umweltverschmutzung einzudämmen. Der letzte Coup war die Einführung der Umweltzone. Seit dem 01. Januar 2010 dürfen nur noch Autos mit grüner Plakette innerhalb des S-Bahn-Rings fahren (das Hauptstadtstudio berichtete). Der Erfolg lässt indes auf sich warten. Die Hoffnung auf eine deutliche Verbesserung der Luftqualität wurde bisher nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil.

Wie das Umweltbundesamt bekannt gab, wurde der von der Europäischen Union festgelegte Höchstwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft in Friedrichshain, in Steglitz sowie in Neukölln bereits Mitte März mehr als 30 Mal  überschritten. Gemäß Verordnung der EU ist eine Überschreitung der zulässigen Werte an 35 Tagen erlaubt – im Jahr! Für den ADAC ein sicheres Zeichen für die Unwirksamkeit der Umweltzone. Vielmehr sei die Umweltzone ein unnötiges und vor allem teures Übel für die Autofahrer der Hauptstadt. Während der Automobilclub versucht gerichtlich gegen Umweltplakette und Fahrverbot vorzugehen, sieht Berlins Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) keine Anzeichen für ein Versagen der Umweltzone. Schuld sei vielmehr  das Wetter. Anhaltende Ostwinde und der vermehrte Einsatz von Streugut hätten die erhöhte Feinstaubbelastung zu verantworten.

Der Verkehrsplaner der Berliner Senatsverwaltung Horst Wohlfarth von Alm trat nun mit einem nicht ganz neuen, aber immer wieder die Gemüter erhitzenden Vorschlag auf den Plan. Er ist für eine Senkung des Tempolimits. Demnach soll Tempo 30 innerhalb von Ortschaften zur Regel werden. Tempo 50 wäre nur noch auf  explizit gekennzeichneten Strecken, wie Hauptverkehrsstraßen gelten. Überlegungen eine entsprechende Bundesratsinitiative vorzubereiten laufen.

Der ADAC ist, wie nicht anders zu erwarten, jedenfalls wenig überzeugt von diesem Vorschlag. Ob ein schärferes Tempolimit innerhalb geschlossener Ortschaften die Luftqualität verbessert ist umstritten. Darüber hinaus könnte  der langsamer abfließende Verkehr eine erhöhte Lärmbelästigung zur Folge haben. Größtes Problem dürfte die Änderung jahrzentealter Fahrgewohnheiten sein. Die Befürchtung des ADAC, warum sich eine Senkung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit jedoch negativ auf die Verkehrssicherheit auswirken sollte, ist wohl auch für die leidenschaftlichsten Wagenlenker und Tempolimit-Gegner kaum nachzuvollziehen.

Martin Schlereth (mit Bildmaterial von pixelio.de)

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