Hausräumung Brunnenstraße 183

Was seit Jahren abzusehen war und in einer Gesellschaft wie der unseren absolut legitim erscheint, ist gestern nun vollbracht worden. Die Räumung einer seit Jahren von einem Hausbesetzer-Kollektiv in Anspruch genommenen Immobilie in Berlins Mitte ist vollzogen. Was bleibt sind nicht nur Fragen über einen militärisch anmutenden Polizeieinsatz jenseits aller nachvollziehbaren Maßstäbe.

Was lange währt, wird endlich gut – so oder so ähnlich dürfte Manfred Kronawitter, der rechtmäßige Eigentümer des über Jahre hinweg besetzten Hauses Nr. 183 in der Brunnenstraße, die derzeitigen Diskussionen und Debatten um sein Hab und Gut einzustufen wissen. Am gestrigen 24. November war es soweit. Herrn Kronawitters Besitz wurde zurückerobert. Und wie. An die 600 (!!) Polizisten und Polizistinnen machten sich – bewaffnet mit schwerem Material – ans Werk und überließen nichts dem Zufall. Herbeigeordert vom bevollmächtigten Gerichtsvollzieher, meinten die zahlreichen Beamten, die im Haus vermuteten und polizeibekannten Besetzer von 15 Uhr mittags bis in die späten Abendstunden in Schach halten zu können. Wenn diese denn überhaupt an Ort und Stelle gewesen wären. Doch nicht nur die Bodenoffensive darf als maßlos übertrieben angesehen werden. Schließlich kreiste auch während rund 3 Stunden unaufhörlich ein Hubschrauber am Berliner Himmel – sehr zum Leid der ahnungslosen Büroangestellen just um die Ecke.

Gleich nachdem der Gerichtsvollzieher sich einen seltenen Einblick vom Innern der besetzten Lokalität machen konnte, machten sich auch schon Handwerker an die Arbeit. Was die als brutal und zivilisationsresistent verpöhnten Besetzer während Jahren nicht wagten, können die in Windeseile. Um das Haus – bis zur geplanten Sanierung – temporär unbewohnbar zu machen wurden sämtliche Fenster (ob nun vermauert oder verglast) eingeschlagen bzw. eingerissen. Nur so seien potenzielle Besetzer davon abzubringen das Haus erneut zu belagern. Der Berliner Winter ist schlussendlich doch ein kalter.

So ganz ohne ihre Meinung kundzugeben bzw. ihr vermeintliches „Recht“ durchsetzen zu können, wollen die Ex-Hausbesetzer ihre Niederlage jedoch nicht wegstecken. So verkündete der Anwalt der Delinquenten, Moritz Heusinger, am heutigen Mittwoch lächerlicherweise die Rechtmäßigkeit der gestrigen Polizeiaktion vor Gericht klären zu wollen – mit dem Hinweis, die jeweiligen Besetzer hätten in diesem Jahr bereits 5 verlorene Räumungsklagen verkraften müssen.

Ob aus Wut auf den gestrigen Einsatz oder aus sonst einem Grund. Auch in der Nacht auf Mittwoch gab es wieder einmal sogenannte „politisch motivierte“ Anschläge. In Rummelsburg beispielsweise wurde ein Einsatzfahrzeug auf einem Polizeigelände in Brand gesetzt. In der Rollbergstraße (Neukölln) bombardierten Unbekannte überdies das Gebäude einer Polizeiwache mit Farbbeuteln.

Bernard Bruck

5 comments

  1. Deine Penthouse-Wohnung? Du kannst von Glück reden, dass du meine Fernbedienung noch immer in deinen Händen halten darfst. Und sieh zu, dass der R8 wieder zu mir findet, Piefke!

  2. Als jemand der da um die Ecke wohnt und dummerweise Mittwochabend am Nordbahnhof lang musste kann ich sagen:
    Es ist extrem unangehm mit dem Auto sehr langsam durch eine Masse an Demonstranten fahren zu müssen :-
    Ab jetzt informier ich mich ma lieber bevor ich irgendwo hin fahre!

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