JWD Beelitz – Teil 2 – Heilstätten
Beelitz-Heilstätten
Wie bereits erwähnt besteht die Stadt Beelitz aus 12 ihr angegliederten Ortsteilen. Historisch wertvoll erscheint in dieser Hinsicht vor allem der Ortsteil Beelitz-Heilstätten. Nach unserem informativen und ausführlichen Besuch des beschaulichen Stadtkerns brachen wir auf um den heute verlassenen Heilstätten einen Besuch abzustatten.
In den 30′er Jahren fertiggestellt, beherbergten die eindrucksvollen Beelitzer Heilstätten noch bis ins Jahr 1994 Patienten. Zunächst als „Arbeiter-Lungenheilstätten Beelitz-Heilstätten“ konzipiert, diente die Anlage im ersten und zweiten Weltkrieg als Sanatorium für erkrankte und verwundete deutsche Frontsoldaten. Im Jahre 1916 befand sich unter ihnen auch ein gewisser Gefreiter Adolf Hitler.
Ende des zweiten Weltkriegs schließlich, übernahm die Rote Armee die Anlage. Bis 1994 stellten die heute verlassenen Beelitz-Heilstätten das größte sowjetische Militärhospital außerhalb der damaligen Sowjetunion dar. 1990 beherbergte dieses auch den an Leberkrebs erkrankten DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. 1994 schlussendlich wurde der Komplex aufgegeben. Teile der Anlage wurden noch saniert bevor die Eigentümergesellschaft 2001 schlussendlich Insolvenz beantragte.
Soviel zum geschichtlichen Teil. Wer sich vor Ort begibt erkennt auf den ersten Blick warum der Gesamtkomplex – bestehend aus 60 Einzelgebäuden – heute unter besonderem Denkmalschutz steht. Auch wenn die medizinischen Häuser verlassen und weitestgehend verriegelt sind, gilt dies keineswegs für das gesamte Areal. Zwischen den verlassenen und zum Teil einsturzgefährdeten Bauten befindet sich auch das ein oder andere Familienhaus – eingerichtet und bewohnt, wohlgemerkt. Ein ungewöhnlicher, jedoch nicht unangenehmer Wohnstandort, wie wir lernen sollten.
Kaum aus dem Auto ausgestiegen durften wir auch schon mit einem der insgesamt 465 Einwohner aus Beelitz-Heilstätten Bekanntschaft machen. Der Hausbesitzer – ein Mann im mittleren Alter – wusste uns zu berichten, dass der Zugang zu den jeweiligen medizinischen Häusern zwar generell einer gesonderten Genehmigung bedarf und ohnehin verriegelt ist. Das Gelände jedoch an sich – bis auf wenige Ausnahmen – frei zugänglich ist. Das ist auch ohne weiteres zu erkennen. Vielerorts erkunden Spaziergänger das Gelände der ehemaligen Beelitzer Kliniken.
So machten auch wir uns auf um das vor uns liegende Areal auszukundschaften. Auf den ersten Blick interessant erscheint, dass die großen Gebäude unmittelbar am Eingang des großflächigen Geländes erstaunlich unberührt und somit „in Schuss“ aussehen. Nur wer sich etwas weiter auf dem riesigen Gelände verirrt, erkennt, dass hier nichts mehr so ist, wie es denn einst einmal war. Nach Jahren der Nichtnutzung sind die bewundernswerten Bauten sich selbst überlassen und von Mutter Natur beherrscht. Zeugnis dieser Übernahme sind nicht nur die überwuchert-verwachsenen Wege. Auch die Bauten an sich zeugen davon, wie sich die Umwelt der einst prunkvollen Kliniken nach und nach annimmt. Von den Witterungsbedingungen der vergangenen Jahre gezeichnet, dürften vor allem einige kleine Häuser einsturzgefährdet sein.
Erst der intensive Rundgang über das Grundstück lässt einen die Dimensionen der ehemaligen Heilstätten erahnen. Neben den zahlreichen über das Gelände verbreiteten Funktionsbauten ist vor allem das historische Heizkraftwerk und das ihm angeschlossene Maschinenhaus einen Abstecher wert.
Unser Fazit nach einem kurzen, aber keineswegs uninteressanten Trip: Auch wenn das Gelände verwuchert und die Häuser verriegelt sind, lohnt der Spaziergang über das geschichtsträchtige Gelände. Besonders erfreulich stimmt in dieser Hinsicht, dass ein Großteil des denkmalgeschützten Waldparkareals nach Angaben des Fördervereins eine Renaissance erfahren soll. Das besondere Flair und die Ausstrahlung der Anlage, von der auch wir uns überzeugen konnten, sollen erhalten bleiben. Weitere Informationen über die ehemaligen Heilstätten Beelitz bekommt ihr übrigens unter heilstaetten.beelitz-online.de.
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