Night+Day Festival mit The xx im Berliner Spreepark

Am vergangenen Wochenende fand im Spreepark im Plänterwald das Night+Day Festival statt. Das britische Trio The xx lud seine liebsten Musikerkollegen in den verwunschenen Vergnügungspark um mit ihnen ein Fest unter Freunden zu feiern.

Timetable Night+Day Berlin

Timetable Night+Day Berlin

Der Tag begann nicht so, wie man es sich für einen Open-Air Veranstaltung wünschen würde. Starker Regen und kühle Temperaturen bestimmten den Blick nach draußen, schon morgens. Trotz allem fanden tausende Leute den Weg durch den dichten Plänterwald zum alten Gelände des stillgelegten Spreeparks. Das versprochene Line-Up klang ja auch mehr als verlockend und die Veranstaltung war bereits seit Monaten ausverkauft. Neben The xx, welche das Festival erst möglich machten, hatten sich Acts wie Chromatics, Mount Kimbie und die Londonerin Jessie Ware angekündigt.

Mykki Blanco trotzte dem Regen und zog seine Show eiskalt in BH und Hotpants durch. Respekt! Das Wetter zeigte sich schließlich doch noch einsichtig und gegen 16 Uhr hörte man aus der Menge erste Jubelschreie, weil sich die Sonne den Weg durch die Wolken bahnte. Pünktlich wie die Bauarbeiter lieferten im Anschluss Mount Kimbie und die amerikanische Synthie-Band Chromatics ihre Shows ab und begeisterten das Publikum. Romy, Jamie und Oliver von The xx schienen mit ihrer Musikerauswahl bei ihren Fans voll ins Schwarze getroffen zu haben. Schließlich betrat die wundervolle Jessie Ware die Bühne und performte Songs aus ihrem aktuellen Album „Devotion“. Allerdings wunderte man sich bei der jungen Britin schon ein wenig über den Wechsel ihrer Stimmlagen. In den Pausen quatschte sie mit typischen Londoner Akzent und leicht nervigem Tonfall auf das Publikum ein, während ihre Stimme, während sie sang, eher engelsgleich klang. Sachen gibt’s. Nebenbei legten auf der kleineren Bühne einige DJs, darunter auch xx-Mitglied Jamie xx und Young Turks Neuentdeckung Tic & Tasker, auf.

Mount Kimbie

Mount Kimbie

Es war noch nicht ganz dunkel, da erklangen die ersten Töne von The xx und die restlichen Massen strömten in Richtung Bühne. Jetzt noch ein Bier holen, schien unwichtig, denn man wollte ja nichts verpassen. Einen großen, weißen Vorhang vor der Bühne, wie bei den Hallenkonzerten, gab es hier aber nicht. Lediglich bunte Lichter und die typischen Symbole in x-Form zierten die Bühne. Die ersten Töne erklangen und Nebel hüllte das Publikum vollkommen ein. The xx spielten die meisten Songs von ihrem neuen Album „Coexist“. „Reunion“ sogar als Remix Version.

Je dunkler es am Himmel wurde, umso mehr wurde klar, welcher Aufwand diese Lichtshow bedeutete. Bunte Strahler leuchteten über die Köpfe der Zuschauer hinweg und bildeten zusammen mit dem Rauch bunte Nebelschwaden in Seifenblasenfarben. Zeitweise wusste man nicht, ob man die Bühne beobachten soll, oder sich dem Licht hingibt und einfach nur der Musik lauscht. The xx sind bekannt dafür bei ihren Konzerten gerne mal ein Lied aus ihrer Jugend zu covern. So auch hier: bei „Sunset“ kündigte Oliver noch einmal Jessie Ware an, welche mit ihnen zusammen einen Mix aus dem 2000er Club-Hit „Lady“ von Modjo und „The music sounds better with you“ von Stardust sang. Zweifellos einer der Höhepunkte der ganzen Show. Nach einigen alten Songs, einer ausführlichen Dankesrede und der obligatorischen Zugabe verließen sie die Bühne. Es kommt einem bei so einem Konzert immer viel zu früh vor, weil man bei The xx schlechtweg die Zeit vergisst.

The xx – eine Band die sich immer noch nicht mit dem großen Erfolg anfreunden kann, den sie zwar mehr als verdient haben, ihn aber nie in der Form gewollt haben. So üben sie sich weiter in Bescheidenheit, wenn sie für ihre musikalische Leistung mehr Lob, als Kritik abstauben. Sie schaffen es in der Einfachheit, die ihre Musik ausmacht, doch so vielfältig zu klingen und haben es dadurch irgendwie geschafft Musik so zu interpretieren, wie noch niemand anders vor ihnen und prägten ganz nebenbei einen neuen Musikstil. Jamie, Romy und Oliver ergänzen sich perfekt in ihrer Performance und sind definitiv immer einen Konzertbesuch wert.

Tina Schwabe