East Side Gallery: Mauerabriss voerst eingestellt

Nach tagelangen Protesten und Mahnwachen ist der Teilabriss der Mauer an der East Side Gallery heute morgen nun vorerst und bis Mitte März eingestellt worden. Die Verantwortlichen für das Projekt Living Levels wollen sich dem Dialog mit den Gegnern stellen und kündigten Gespräche mit dem Senat und dem Bezirksamt an.

East Side Gallery Berlin

© Poul Werner / flickr.com

Seit rund einer Woche kommt das Thema nicht mehr aus den Schlagzeilen. Mittlerweile berichten selbst ausländische Tagesblätter vom Drama um den Teilabriss der Berliner Mauer an der East Side Gallery. Konnte es vor etwa 24 Jahren nicht schnell genug gehen, die Berliner Mauer loszuwerden, so gingen am Wochenende tausende Demonstranten für den Kompletterhalt der ehemaligen Grenzanlage an der Mühlenstraße – die gleichzeitig mit einer Länge von 1316 Meter die längste dauerhafte Open-Air-Galerie der Welt ist – auf die Straße.  Der als East Side Gallery bekannte Mauerstreifen steht seit 1991 unter Denkmalschutz – nicht zuletzt deswegen, so die Demonstrierenden, sollte die Anlage unangetastet bleiben.

Geht es dem Willen des Investors Maik Uwe Hinkel nach, so sollen etwa 25 Meter des historischen Mauerstreifens versetzt werden und damit unter anderem dem Neubau der Brommy-Brücke Platz machen. Seit etlichen Jahren bereits ist der Neubau der im 2. Weltkrieg zerstörten Brommy-Brücke geplant und immer wieder verschoben worden. Nie jedoch stand eine Versetzung einiger Mauersegmente der East Side Gallery zur Debatte. Das Vorhaben die Brommy-Brücke an der gleichen Stelle wie ihre Vorgängerin zu errichten impliziert sozusagen den Umzug der betroffenen Mauerteile. Der Geschäftsführer des viel kritisierten Wohnprojektes Living Levels, Maik Uwe Hinkel, versteht daher die Kritik an seinem Bauvorhaben nicht. Die ihm vorliegende und darüberhinaus öffentliche Baugenehmigung des Senats und des Bezirkamtes berechtigt ihn die Mauersegmente für sein Vorhaben zu versetzen. Erst seit Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) das Bauvorhaben als „Hassobjekt Nummer eins“ bezeichnet habe, sei die Kritik an dem Vorhaben so massiv geworden. „Hätten wir nicht die Genehmigungen vom Senat und vom Bezirksamt, hätten wir hier an dieser Stelle nie gebaut.“, äußerte sich der vielkritisierte Bauherr gegenüber der Berliner Morgenpost.

An seinem Vorhaben jedoch, hält der Investor fest. Die für den 18. März geplanten Gespräche mit dem Senat und dem Bezirksamt sollen vor allen Dingen eine Frage klären: wer für die Kosten der nun eingestellten Bauarbeiten aufkommt. „Wir haben schließlich Verträge mit Bauunternehmen, die erfüllt werden müssen.“, heißt es hierzu vonseiten des unbeirrten Investors. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen in Senat und Bezirksamt auch andere Fragen zu dem Vorhaben stellen und eventuell sogar ihre Baugenehmigung überdenken werden – sofern dies überhaupt noch möglich ist. Ansonsten dürfte der Luxus-Bebauung im ehemaligen Todesstreifen –  rein rechtlich –  nichts mehr im Weg stehen.

Bernard Bruck (mit Bildmaterial von Poul Werner / flickr.com)