Magical Mystery Show – Budenzauber im Wintergarten Berlin

Am 15. November 2012 feierte die Magical Mystery Show Premiere im Wintergarten Berlin. Nachdem die Shows der vergangenen Jahre in erster Linie auf Artistik und Musik setzten, steht das neue Programm des Wintergartens voll und ganz im Zeichen einer anderen Disziplin des Varieté: Zauberei mit einem Schuss Clownerie.

Wer an Zaubershows denkt, hat unweigerlich das Bild eines Mannes im schwarzen Frack mit Zauberstab vor Augen, der versucht, weiße Kaninchen aus seinem Zylinder herauszuziehen. Doch dieses Zauberer-Bild ist längst veraltet. Dies beweist bereits zum Auftakt der Tanz seidener Tücher, welche minutenlag wie von Geisterhand gelenkt über die Bühne schweben. Magische Momente kommen eben manchmal ganz ohne Zauberer aus. Der Schöpfer dieses Balletts aus Luft und Seide, Daniel Wurtzel, Teilnehmer von „Das Supertalent 2011“ , tritt erst gar nicht in Erscheinung. Vielleicht ist das sogar der Olymp der Zauberkunst.

Das ukrainische Duo Double Fantasy bietet hingegen eine klassische Zaubershow, in welcher die Assistentin auf der Bühne mal hier, mal dort verschwindet, um sich nach Beschwörung des Magiers an anderer Stelle wieder zu materialisieren. Alles andere als klassisch tritt der Illusionist Jean Garin auf. Er klont sich quasi virtuell, um sich dann mit seinem Pixel-Ebenbild im wahrsten Sinne des Wortes die Bälle zuzuspielen.

Magie in allen Facetten
Als Gastgeber fungiert der belgische Magier Rafael. Nebenbei stellt er eine besondere Leidenschaft für Verkleidungen zur Schau und tritt unter anderem als verrückter Wissenschaftler im Stile Frankensteins oder als Graf Dracula – wohl eine Referenz an den seit Jahren grassierenden Vampir-Hype – auf.

Ganz im Gegensatz zur blutigen Show Rafaels setzt das Berliner Mentalisten-Duo Somnambul auf die subtile Macht der Gedanken. Vor allem das kühle und entrückt elfenhafte Auftreten Vivian Sommers als Medium betört und verstört das staunende Publikum. Die Grenzen beim Blick in die Gedanken der Zuschauer werden einfach eingerissen. Als Beweis ihrer telepathischen Fähigkeiten plaudert Vivian auch mal aus dem Nähkästchen, oder vielmehr über den Geldbörsen-Inhalt nichtsahnender Show-Gäste.

Einen modernen oder gar postmodernen Ansatz findet der New Yorker Arthur Trace. Er verbindet Jonglage und Kartentricks mit Jazz und Malerei. Eine überraschend frische und stimmige Komposition.

Hokus Pokus Fidibus
Wer glaubt, schon alle Zauberkunststücke zu kennen und enträtselt zu haben, der ist beim Altmeister der skurrilen Zauberei Otto Wessely gerade richtig. Übt sich Wesseley gerade noch in einer grotesken Rezitation von Heinrich Böll, fährt er im nächsten Moment ein umfangreiches Requisiten-Arsenal auf, nur um es umgehend dem Publikum resigniert vor die Füße zu werfen. Bei ihm bekommt sogar eines der fast vergessenen weißen Karnickel seinen Auftritt.

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Als abgehalftert und tollpatschig wirkender Möchtegern-Magier offentbahrt Otto ein ums andere Mal die Geheimnisse seiner Zaubertricks. Er dekonstruiert den Mythos der Zauberei, nur um plötzlich wie aus heiterem Himmel das zwar amüsierte aber scheinbar auch desillusionierte Publikum mit offensichlichen Unmöglichkeiten zu überraschen. Zum Staunen, zum Rätseln und vor allem zum Schreien komisch. Ein wahrer Meister seines Fachs.

Jeder, der sich einmal verzaubern lassen will, kann sich die Show noch bis zum 26. Januar 2013 im Wintergarten ansehen. Weitere Informationen gibt es unter wintergarten-berlin.de.

Martin Schlereth (mit Bildmaterial von Bernard Bruck)

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