SHOW ME – Neue Revue im Friedrichstadt-Palast feiert Premiere

Am Donnerstag, den 18. Oktober 2012 feierte das neue Programm „Show Me“ im Berliner Friedrichstadt-Palast vor geladener Prominenz Premiere. Die bis dato teuerste Show des alt-ehrwürdigen Revuetempels wagt gleichzeitig einen Blick in die goldene Vergangenheit und in die bunte Zukunft der Revue.

Shine | Kostüme: Christian Lacroix | Foto: Robert Grischek

Mehr als 100 Beteiligte auf und hinter der Bühne. Über 9 Millionen Euro Budget – das höchste in der Geschichte des Hauses. Die größte Theaterbühne der Welt. So viel zu den Superlativen der Show. Doch damit wollen sich die Macher nicht zufrieden geben. Es sollte eine Show sein, die fasziniert, verblüfft und auch mit stillen Momenten das Publikum berührt. Ziel ist es, den Glanz der großen Revuen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den Möglichkeiten moderner Produktionen zu verbinden.

Waterburst | Kostüme: Uta Loher, Conny Lüders | Foto: Robert Grischek

Meer aus Farben und Lichtern
Keine Revue ohne Showtreppe. Doch diese ist nur ein Puzzlestück in der an Aufwand kaum zu überbietenden Produktion. Artiksten und Tänzer verwandeln Luft und Wasser zu Teilen der Bühne. Die Bühne ihrerseits wird Teil des Esembles und ist heimlicher Star der Show. Mal bringt sie ein Schwimmbecken als Spielfläche einer Wasserrevue – Fontänen und Wasserfall inklusive – zum Vorschein, mal erhebt sich die Bühne wie eine gigantische Hochzeitstorte Schicht für Schicht der Decke des Saals entgegen.

Faszinierend, welche Bilder Künstler und Crew entstehen lassen, wenn beispielsweise riesige Quallen scheinbar schwerelos umherschwebend die Illusion eines riesigen Aquariums auf die Bühne zaubern. 3D-Kinofilme mit noch so ausgefeilter Computeranimation können da nicht annähernd mithalten. Derartige Illusionen werden erst ermöglicht durch eine teils knallbunte Lichtshow, die sich für die reminiszierenden, klassischen Parts der Show zurücknimmt und mit fast schon dezenter Beleuchtung beinahe den Eindruck erwecken, man befinde sich in einem schwarz-weißen Stummfilm der 1920er Jahre.

Stumm ist in dieser Show, abgesehen von der Figur des einsamen Tramps, welcher seine Anlehnung an Charlie Chaplin gar nicht erst verschleiern möchte, ansonsten nichts. Ganz im Gegenteil! Sängerinnen wie auch Sänger und nicht zuletzt die Showband des Friedrichstadt-Palastes entwickeln einen grandiosen und mitreißenden Soundtrack, wobei es ihnen gelingt, sogar „Light my Fire“ von The Doors Revue-tauglich darzubieten.

The Beauties | Kostüme: Uta Loher, Conny Lüders | Foto: Robert Grischek

Glamour is back
Was bleibt übrig von der klassischen Revuekultur bei all der modernen Bühnentechnik? Wenn man sieht, wie das Publikum mit kindlicher Begeisterung und offenem Mund einen Mann mit Zylinder und Glitzeranzug dabei beobachtet, bunt schillernde Seifenblasen über die Bühne schweben zu lassen, wenn man sieht, welch ausgelassene Freude gut zwei Dutzend in einer Reihe aufgestellte Revuegirls verbreiten, indem sie einfach abwechselnd mal das eine, mal das andere schier endlos lange Bein schwungvoll und grazil beim Tanz in die Höhe recken, dann wird klar: Die Revue lebt! Glamour is back!

Weitere Infos zur Show gibt es unter www.show-palace.eu

Martin Schlereth (mit Fotomaterial von Robert Grischek)

1 comment

  1. Sugel

    Die Hommagen an die Genre-Geschichte allerdings, wie das Schaulaufen der goldgeschmückten Luxusladies, muss sich schon vom Programmheft erklären lassen, wer nicht schon anno dunnemals am Broadway unterwegs war. Hinzu kommt, dass Schmidt, Welke und Nass ihren Hang zur sexuellen Provokation verloren haben. Was bei „Qi“ und „Yma“ klischeebrechend und nicht zuletzt offen schwul war, ist bei „Show Me“ durchweg hetero und für eine Revue meist auch überraschend brav. Symptomatisch dafür der Schwarzlicht-Strip, bei dem man immer weniger sieht, je mehr die Damen sich ausziehen. Ist das der Tribut an ein prüdes Weltpublikum? Auch die Shows in Las Vegas arbeiten erotisch ja eher im Energiesparmodus.

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