Berghain – Schließung Ende dieses Jahres? | Gerüchteküche vs. Fakten

Auf Twitter ist es bereits in aller Munde: „Rip Berghain“, „Berghain to close :(“ – so lesen sich die Zwitschernachrichten, welche sich momentan rasend schnell im Internet verbreiten. Doch was ist dran am Gerücht, dass das Berghain, Berlins Techno-Club Nummer 1, Ende des Jahres schließt?

Berghain © Marcheur1976 / Wikimedia Commons

Berghain © Marcheur1976 / Wikimedia Commons

Es scheint abwärts zu gehen mit dem Berghain. Nicht nur, dass es schon längst nicht mehr der „Beste Club der Welt“ ist (in den Top 100 der weltbesten Clubs des DJmag war das Berghain 2009 auf Platz 1, ein Jahr später nur noch auf Platz 8, letztes Jahr auf Platz 6 und dieses Jahr fiel es ganz aus der Top Ten heraus und landete auf Platz 13), nein, jetzt droht ihm angeblich sogar die Schließung. Hintergrund ist die Ankündigung einer Tarifreform der GEMA, welche am 1. Januar nächsten Jahres in Kraft treten soll. Danach gibt es statt bisher elf verschiedenen Tarifen nur noch zwei. Laut GEMA sollen dadurch 60% der Musikveranstalter weniger zahlen als bisher; tatsächlich werden Disco-Besitzer aber erheblich drauf zahlen. Es kursieren Zahlen, die von einer Mehrabgabe bis zu 1.400% ausgehen, denn die GEMA beansprucht ab 2013 wenigstens zehn Prozent der Eintrittsgelder und noch einmal 50% Zuschlag für Events, die länger als fünf Stunden dauern. Für Clubs wie das Berghain, in dem von früh bis spät gefeiert wird, wäre das das Aus!

Gegen den neuen GEMA-Tarif haben bereits Ende Juni etwa 5.000 Menschen in der Schönhauser Allee demonstriert, und am vergangenen Wochenende legten deutschlandweit sämtliche Musikclubs fünf Minuten vor Mitternacht fünf Schweigeminuten ein, um auf die drohende Schließung von Diskotheken, Kneipen und Clubs aufmerksam zu machen. Zudem läuft derzeit eine Online-Petition, die bereits von über 225.000 Gegnern der Tarifänderung unterschrieben wurde.

GEMA-Sitz in Berlin © Jivee Blau / Wikimedia Commons

GEMA-Sitz in Berlin © Jivee Blau / Wikimedia Commons

Die niederländische Berghain-Resident-DJane Steffi sagte 3voor12radio: „Es sieht sehr schlecht aus. Mein Chef sagt: Wenn die GEMA-Tarife kommen, schließen wir unsere Türen.“ Laut dem Bericht erhöhen sich die GEMA-Gebühren, die das Berghain ab 2013 zahlen soll, um bis zu 1.400%. Die Berliner Club Commission rechnete aus, dass Berliner Clubs ab dem kommenden Jahr durchschnittlich etwa 180.000 statt 28.000 Euro GEMA-Gebühren bezahlen müssen. Auch für Ingo Damm, der im KitKat-Club eine Party pro Monat organisiert, ist das Ganze „ein Desaster“ – nicht nur, weil es die Clubs selbst betrifft, sondern auch alle Arbeitsplätze, die am Club-Business mit dranhängen: Hotels, Taxis, Billigflieger usw. Für seine Trance-Party im KitKat-Club müsse er ab 2013 bis zu 3.000 Euro pro Abend bezahlen – weitaus mehr, als er verdiene.

Welche Folgen es haben wird, wenn die GEMA ihre Pläne tatsächlich umsetzt, ist nur schwer vorstellbar: Das Clubsterben, das in Berlin bereits seit Jahren ein Thema ist, würde sich zu einer Massenvernichtung ausweiten. Wenn etablierte Diskotheken wie das Berghain oder Watergate schließen, verliert Berlin nicht nur die Grundpfeiler seiner Club- und Musikszene, sondern auch Heerscharen an Touristen. Etwa 10.000 kommen jedes Wochenende nach Berlin, um hier zu feiern, schätzt der Senat. Andererseits besteht auch die Möglichkeit, dass sich die Künstler selbst wehren und aus Protest gegen die unangemessene Tariferhöhung aus der GEMA aussteigen und so Druck auf den Monopolisten ausüben. Sollte die GEMA, welche derzeit rund 65.000 Musiker vertritt, mit ihrer Forderung wirklich durchkommen, könnte das aber auch heißen, dass sich die Techno-Jünger in Zukunft zunehmend auf illegalen Musikveranstaltungen re-organisieren, was vielleicht sogar einen positiv-erfrischenden Effekt auf die Elektro-Szene haben könnte. Ebenso denkbar ist, dass die Clubs ihre Eintrittspreise entsprechend erhöhen. Dies hätte dann wohl leider eine völlig entgegengesetzte Wirkung: Clubbing könnten sich dann nur noch gut betuchte Touristen und finanziell Bessergestellte leisten. Dann wäre der Tod der Berliner Clubs zwar kein plötzlicher, aber ein schleichender. Und wer siecht schon gerne langsam dahin?

Veronika Streit (mit Bildmaterial von Marcheur1976 & Jivee Blau / Wikimedia Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0)

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