Berlin kann auch früher als geplant | Abschluss der AVUS-Sanierung schon Ende 2012?

Während es auf der Flughafen-Großbaustelle im Berliner Süden knapp ein halbes Jahr länger dauert, bis die Bauarbeiten abgeschlossen werden sein (wir berichteten), geben die Baufirmen im Berliner Westen Gas: Dort wird ein anderes Großprojekt – die Sanierung der AVUS nämlich – voraussichtlich zehn Monate früher als geplant abgeschlossen werden. Grund dafür ist neben der guten Organisation, den modernen Asphaltierungsgerätschaften und dem milden Wetter des vergangenen Winters die ausgeschriebene Geldprämie für den Fall, dass die Baufirma mindestens ein halbes Jahr vor dem vereinbarten Termin im Herbst 2013 fertig wird.

AVUS Berlin © Uwe Wattenberg / pixelio.de

AVUS Berlin © Uwe Wattenberg / pixelio.de

Bis zu eine Million Euro winken der Oevermann Verkehrswegebau GmbH, die die Sanierung der A 115 übernommen hat, wenn das Bauprojekt sechs Monate früher als geplant beendet wird, und die Chancen auf die Prämie stehen gut: Da der letzte Winter nur wenig Frost brachte und die bisherigen Bauvorhaben deshalb schneller umgesetzt werden konnten, besteht die Möglichkeit, die ursprünglich für März bis Oktober 2013 geplante Sanierung des Autobahnabschnitts zwischen der Abfahrt Hüttenweg und Auffahrt Spanische Allee vorzuverlegen. So könnten die Arbeiten bereits im August beginnen und – wenn der Herbst sich mild zeigt – schon im Dezember abgeschlossen werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Temperaturen konstant höher als fünf Grad liegen, weil eine flächendeckende Asphaltierung sonst nicht mehr möglich ist. Der entgegengesetzte Abschnitt stadteinwärts wurde schon letztes Jahr im Oktober – vier Monate früher als geplant – fertiggestellt.

1926 kamen beim Großen Preis von Deutschland vier Fahrer ums Leben.

1926 kamen beim Großen Preis von Deutschland vier Fahrer ums Leben.

Die Sanierungsarbeiten an der A 115, den Berlinern besser als AVUS (Abkürzung für „Automobilverkehrs- und Übungsstraße“) bekannt, waren bitternötig, denn sie wurde bereits 1921 als erste Autostraße Europas eröffnet. Damals musste man für ihre einmalige Benutzung ganze zehn Mark bezahlen oder konnte für tausend Mark eine Dreimonatskarte kaufen. Die mittlerweile über 90 Jahre alte Straße wurde in den Folgejahren immer wieder als Rennstrecke genutzt, auf der nicht wenige Rennfahrer ihr Leben ließen; sie diente später aber auch als Teststrecke für den modernen Straßenbau. Noch bis 1998 fanden auf der AVUS Autorennen statt. Heute rollen jeden Tag rund 90.000 Fahrzeuge über die Berliner Stadtautobahn. Ihre derzeitige Sanierung kostet insgesamt etwa 28 Millionen Euro.

Dass die vorgezogenen Bauarbeiten den Verkehr auf der A115 in nicht unerheblichem Maße beeinträchtigen werden, und zwar noch mehr, als sie das jetzt schon tun, ist unausweichlich. So können Autofahrer auf der oben genannten Strecke im Sommer und Herbst voraussichtlich nur noch drei von aktuell vier Spuren benutzen – zwei stadtaus- und eine stadteinwärts. Staus und stockender Verkehr sind da vorprogrammiert. Wer – von Berlin kommend – zum Schlachtensee oder Nikolassee möchte, kann zudem bis zum Abschluss der Bauarbeiten nicht an der Anschlussstelle Spanische Allee abfahren, sondern muss einen Umweg über das Zehlendorfer Kleeblatt (Autobahnkreuz Zehlendorf – A115/B1 Potsdamer Chaussee) nehmen.

Zusätzlich ungünstig wirken sich in diesem Zeitraum die Bauarbeitem am S-Bahnhof Nikolassee (Anschlussstelle Spanische Allee) aus, denn wer vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel (Regional- und S-Bahn) umsteigen möchte, muss auch dort mit Verspätungen rechnen. Seit dem Frühjahr verkehren die Züge der S-Bahn-Linie S1 nur noch bis Nikolassee, die Linie S7 fährt oft unregelmäßig. Auch die Regionalzüge der Deutschen Bahn können nicht durchfahren, so dass in diesem Bereich leider noch bis Ende des Jahres mit Verzögerungen zu rechnen ist.

Veronika Streit (mit Bildmaterial von Uwe Wattenberg / pixelio.de & Bundesarchiv, Bild 102-02915 / Georg Pahl / CC-BY-SA Lizenz)

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