Flughafen-Fluch lastet weiter auf Berlin| BER-Eröffnung frühestens Ende Oktober

Es brodelt weiter im Hexenkessel: Täglich erreichen uns neue Nachrichten über die geplante Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg. Der ursprüngliche Termin am 3. Juni wurde kurzfristig abgesagt (wir berichteten), und wenn es nach den Fluglinienbetreibern geht, wird der Flughafen BER frühestens Ende Oktober – mit Beginn des Winterflugplans – eröffnet.

© imageworld24 / pixelio.de

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Am vergangenen Dienstag noch hatten Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs amtierender Ministerpräsident Matthias Platzeck eine Flughafen-Eröffnung Mitte August in Aussicht gestellt, andere Stimmen aus der Politik sprachen von einem Termin im September. Nun jedoch scheint eine Eröffnung im Herbst oder gar Spätherbst immer wahrscheinlicher zu werden, denn Lufthansa, Airberlin und easyJet wollen nicht umziehen, solange der Sommerflugplan noch in Betrieb ist. Frühestens mit Beginn des Winterflugplans am 30. Oktober 2012 halten sie einen Umzug für realistisch. Jedenfalls ließen AirBerlin-Chef Hartmut Mehdorn und easyJet-Geschäftsführer Thomas Haagensen das gestern in Berlin verlauten, und Lufthansa-Vorstandsmitglied Carsten Spohr fügte in einem Interview mit der Berliner Morgenpost noch hinzu, dass „der Termin auch noch weiter nach hinten gelegt“ werden könne, sollte dies nötig sein; es sei nur wichtig, dass bei der Eröffnung des neuen Flughafens dieser dann auch wirklich fertiggestellt und sicher sei. Woher die 75 Millionen Euro kommen sollen, die eine Verzögerung bis Ende Oktober kosten würde, bleibt dabei allerdings unklar.

Eine möglichst schnelle Eröffnung wünschen sich unterdessen die Service-Unternehmen am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg, darunter Autovermietungen, Cafés, Duty-Free-Shops, Reisebüros usw. Sie hatten fest mit einem Geschäftsbeginn am 3. Juni 2012 gerechnet; mit der Unterzeichnung ihrer mit dem Flughafenbetreiber geschlossenen Verträge haben sie jedoch Bauverzögerungen bis zu einem Jahr, d.h. bis Mitte 2013, anerkannt und somit kein Recht auf Schadensersatz.

Fraglich bleibt, wie AirBerlin und Lufthansa das höhere Flugaufkommen ab 3. Juni managen wollen. Beide Airlines bieten im Sommer neue Flugverbindungen an und bestehen darauf, all ihre Flüge am Flughafen Tegel abzuwickeln, der jetzt schon „aus allen Nähten platzt“, wie es der Landesvorsitzende der Berliner SPD Michael Müller formulierte. Die Lösung dieses Problems sieht Airberlin-Chef Mehdorn in einer Kürzung des Nachtflugverbots für den Tegeler Flughafen. Momentan ist dort sieben Stunden täglich (von 23 – 6 Uhr) Ruhe. In der „Übergangsphase“ von Anfang Juni bis voraussichtlich Ende Oktober, in der der Sommerflugplan gilt, möchte Mehdorn je eine Stunde früher, d.h. bereits um 5 Uhr morgens, in Berlin-Tegel starten und bis zu einer Stunde später, d.h. bis 24 Uhr, landen dürfen, denn diese Zeiten sollen in Zukunft auch für den Großflughafen Berlin-Brandenburg gelten. Der Antrag auf eine Verkürzung des Nachtflugverbots muss nun von der Geschäftsführung der Berliner Flughafen-Gesellschaft geprüft werden. Tatsächlich kann die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt nämlich nur Einzelgenehmigungen ausstellen, d.h. jeder Flug nach 23 Uhr abends und vor 6 Uhr morgens muss separat bewilligt werden. Die Anwohner sind über diese Aussichten verständlicherweise alles andere als glücklich. Von ihren sieben Ruhestunden pro Tag sollen ihnen nun noch zwei weitere genommen werden. Der Vorsitzende der CDU-Lankwitz Oliver Friederici erhofft sich einen Kompromiss. Er hält acht zusätzliche Flüge in den beantragten zwei Abend- bzw. Morgenstunden für erträglich. Michael Müller von der SPD hingegen ist optimistisch, dass alle Flugverbindungen auch innerhalb der aktuell geltenden Flugzeiten am Flughafen Tegel abgewickelt werden können. Carsten Spohr von der Lufthansa hofft auf die Unterstützung des Flughafens Tegel, der Behörden sowie der Anwohner. „Jetzt müssen alle zusammenrücken“, sagte er der Berliner Morgenpost. Ob er, wie er es von den Einwohnern in der Einflugschneise verlangt, allerdings bereit wäre, fünf Monate lang mit nur fünf Stunden Nachtruhe auszukommen, ist fraglich. Die Anwohner in Berlin-Tegel jedenfalls haben nichts davon, wenn Airberlin und Lufthansa noch mehr Profit machen – Herr Spohr und Herr Mehdorn schon.

Veronika Streit (mit Bildmaterial von imageworld24 / pixelio.de)

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