Slutwalk Berlin 2011 | Schlampen gegen sexuelle Gewalt

Am Samstag, 13. August, findet der 1. Berliner SlutWalk statt. Ihren Ursprung hat diese obszön wirkende, aber durchaus sinnvolle Veranstaltung in Kanada. Um nicht Opfer sexueller Gewalt zu werden, riet ein kanadischer Polizist den Frauen, sich „nicht wie Schlampen anzuziehen“ – und löste damit eine internationale Protestwelle aus.

© garryknight / flickr.com

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„Die Gesellschaft“, so eine Mitteilung der deutschen Veranstalter des ersten SlutWalkUnited Grrrlmany, „lehrt: Lass dich nicht vergewaltigen, anstatt: Vergewaltige nicht!“. Eine bestimmte Art sich zu kleiden, auszugehen, zu trinken und/oder zu flirten, so die Mitteilung weiter, reiche heute aus, um sexuelle Gewalt herunterzuspielen. Dem wollen die TeilnehmerInnen des SlutWalk (auf Deutsch so viel wie: „Schlampenmarsch“) entschieden entgegentreten – auf eine provokante Art und Weise.

Der Auslöser dieser noch sehr jungen Demonstration waren die Aussagen des kanadischen Polizeibeamten Michael Sanguinetti, welcher im Januar 2011 – vermutlich unüberlegt – den Frauen empfahl, sich nicht wie Schlampen zu kleiden, um nicht Opfer von Vergewaltigungen oder sonstigen sexuellen Übergriffen zu werden. Mittlerweile hat der Polizist sich für seine Äußerungen entschuldigt und diese revidiert, doch Feministen aus aller Welt geben sich damit nicht zufrieden. Keine drei Monate nach seinen Worten in der Osgoode Hall Law School der York University in Toronto organisierten sich zahlreiche Frauen – mehr oder weniger freizügig gekleidet, um den Protest anzutreten. Mittlerweile fanden in mehreren Ländern ähnliche Veranstaltungen unter dem gleichen Namen statt, so u.a.  in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den U.S.A. Am 13. August nun finden sich die selbsternannten Schlampen, deren Ziel Selbstbestimmung und der Kampf gegen sexuelle Gewalt ist,  in zahlreichen deutschen Städten (u.a. Berlin, München, Hamburg und Frankfurt am Main) ein, um auch hier auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

© schreient / flickr.com

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Unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Praxis, Klasse, Herkunft etc. ist auch in Berlin jeder dazu aufgerufen, patriarchaler Täterschaft entgegenzutreten. Der SlutWalk will denjenigen einen Raum geben, die sonst in mehrheitsgesellschaftlichen Zusammenhängen nicht gehört oder strukturell zum Schweigen gebracht werden. Der SlutWalk skandalisiert, dass sich tagtägliche sexistische Praktiken – von beispielsweise unerwünschten Blicken bis hin zu sexualisierter Gewalt – aus einem verwobenen System von Sexismus, Klassismus, Rassismus, Homo-, Trans- und Queerphobie etc. speisen.

Entgegen anderslautenden Berichten in den Medien sind auch Männer sowie Transsexuelle zu der Veranstaltung eingeladen, und es herrschen ausdrücklich keinerlei Kleidungsvorschriften. „Alle TeilnehmerInnen sollen ihren Protest so gestalten, wie sie es möchten“, so die Organisatoren. Treffpunkt ist am Samstag, 13. August um 15 Uhr der Wittenbergplatz in Tempelhof-Schöneberg. Weitere Informationen gibt es unter slutwalkberlin.de.

Bernard Bruck (mit Bildmaterial von flickr.com unter CC-Lizenz)

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